Jetzt doch! Saudi-Arabien lässt Frauen zu den Olympischen Spielen nach London

Noch Mitte Mai dieses Jahres schien es, als wäre Saudi-Arabien tatsächlich das einzige Land weltweit, das keine Sportlerinnen zu den Olympischen Sommerspielen nach London schickt. Jetzt die Kehrtwende: Erstmals wird das Land nun doch Frauen entsenden. Das teilte die Botschaft des Königreichs in London mit.

Werden saudische Hoffnungsträgerinnen wie die Reiterin Dalma Malhas nun doch in London an den Start gehen? (Foto: Singapore 2010 Youth Olympic Games/flickr)

Werden saudische Hoffnungsträgerinnen wie die Reiterin Dalma Malhas nun doch in London an den Start gehen? (Foto: Singapore 2010 Youth Olympic Games/flickr)

Nun hat das Hin und Her Saudi Arabiens offenbar endlich ein Ende. Nachdem es zunächst bereits so aussah, als würde das Land Athletinnen an die Themse schicken, kam im vergangenen Mai überraschend das gegenteilige Signal. Menschenrechtsorganisationen wollten das nicht hinnehmen. Sie wandten sich an das Olympische Komitee und forderten den Ausschluss Saudi Arabiens von den Spielen. Dabei ging es ihnen nicht nur um den Ausschluss von Sportlerinnen von den wohl wichtigsten Wettkämpfen der Welt, sondern auch um die Verbannung der Mädchen aus dem ganz normalen Schulsport.

Muslimische Geistliche bringen Verlust der Jungfräulichkeit vor

Mächtig muslimische Geistliche hatten sich in der Vergangenheit wiederholt gegen eine Teilnahme von Mädchen und Frauen an sportlichen Aktivitäten ausgesprochen (es stand sogar zu befürchten, dass sich Frauen und Mädchen künftig noch stärker verhüllen müssen – mehr hier). 2009 wurde sogar mit dem drohenden Verlust der Jungfräulichkeit während sportlicher Aktivitäten argumentiert. Insgesamt billigt das Königreich Frauen eine geringeren rechtlichen Status als Männern zu. Ihnen ist es nicht erlaubt ein Fahrzeug zu führen. Sie benötigen das männliche Einverständnis, wenn sie arbeiten, reisen oder schlicht ein Bankkonto eröffnen wollen.

Unter König Abdullah hat sich nun jedoch wenigstens etwas getan. Frauen sollen bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen erhalten. Auch ein Wahlrecht für die nächsten Kommunalwahlen, die einzigen Wahlen des Landes, wurde ihnen eingeräumt (im Jahr 2015 soll es soweit sein – mehr hier). Jetzt heißt es auf der Webseite der saudischen Botschaft in London: “Das Königreich Saudi-Arabien freut sich auf seine vollständige Teilnahme an den Olympischen Spielen in London 2012 durch das saudi-arabische Olympische Kommittee, das die Beteiligung von weiblichen Athleten, die sich für die Spiele qualifizieren, überwachen wird.”

Teilnahme an Spielen nur ohne staatliche Anerkennung

Im vergangenen April hieß es aus Saudi Arabien, dass man Frauen nicht davon abhalten werde an den Spielen teilzunehmen. Man würde ihnen aber nicht die offizielle staatliche Anerkennung gewähren. Wie der IOC an diesem Montag nun mitteilte, würden die Gespräche mit den Saudis “weiterlaufen” und dass man daran arbeite “die Beteiligung von Saudi-Frauen bei den Spielen in London zu gewährleisten.”

Noch am vergangenen Sonntag erklärte der Leiter der Olympia-Mission des Königreichs, Khalid al-Dakhil, dass er keine Kenntnisse von einer Entwicklung habe, Frauen die Teilnahme an den Spielen zu gestatten.

Als wahrscheinlichste Kandidatin für eine Teilnahme in London gilt derzeit die Reiterin Dalma Malhas. Sie vertrat das Königreich bereits bei der Junioren-Olympiade in Singapur im Jahr 2010 – allerdings schon hier ohne offizielle Unterstützung oder Anerkennung.

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