Evaluation 2.0: Ägyptens Jugend überwacht neuen Präsidenten via Internetseite

Traditionell holen die Medien nach 100 Tagen im Amt aus, um die Leistung eines frischgewählten Staatsoberhauptes zu bewerten. Eine Gruppe junger Ägypter will das im Fall von Mohammed Morsi ganz im Geiste des Internetzeitalters in Echtzeit vornehmen und hat eine entsprechende Webseite ins Leben gerufen.

Die Internetseite mit dem klangvollen Namen „Morsi Meter“ will in den nächsten Wochen ein genaues Auge auf die Entwicklungen im Land haben. Ägyptens Fortschritte sollen dabei mit Hilfe von fünf Hauptkategorien bewertet werden: Brot, Verkehr, Kraftstoff, Sicherheit und Sauberkeit.

Ägyptens neuer Präsident macht über 60 Wahlversprechen

Die jungen Leute wollen so Morsis Wahlversprechen direkt mit den Aktivitäten seit Beginn seiner Amtszeit vergleichen. Und das waren, wie die Webseite angibt, wohl so einige. Im Laufe seines Wahlkampfes soll der jetzige Präsident mehr als 60 Wahlversprechen abgegeben haben. Akribisch soll nun jedes einzelne davon auf seine Erfüllung hin überprüft werden.

Derlei Online-Aktivitäten hat es in Ägypten bisher nicht gegeben. Entsprechend wurde die Internetseite auch als „Pioniertat des politischen Aktivismus in Ägypten“ angesehen, die es ohne den 25. Januar 2011 und seine einschneidenden Veränderungen, die es den Menschen nun offen erlaubt, Kritik zu äußern, nicht realisiert worden wäre.

Morsi nennt sich selbst „Sohn der Revolution“

Der 60-jährige Ingenieur Mohammed Morsi, der dem konservativen Flügel der Muslimbruderschaft angehört, ist der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens – und darüber hinaus auch noch der erste Zivilist an der Staatsspitze. Dennoch ist er nicht bei allen Bürgern des Landes beliebt. Mit einer ganzen Reihe an Versprechen zum Beispiel an die Frauen, die jungen, linken „Revolutionäre“ oder an die Christen im Land versuchte Morsi, der sich selbst als „Sohn der Revolution“ bezeichnet, quasi in letzter Minute, Wählerschichten für sich zu gewinnen, die seiner Organisation bisher eigentlich skeptisch gegenüberstanden.

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