Spiele-Manipulationsskandal: Inhaftierter Fenerbahçe-Chef hat Vertrauen in Staat verloren

Bereits seit Anfang Juli 2011 sitzt Fenerbahçe-Präsident Aziz Yıldırım nun schon in Haft. Seither steht gegen ihn der Vorwurf der Spiele-Manipulation im Raum. Aus dem Gefängnis heraus spart der Unternehmer und Bauingenieur jedoch nicht mit Kritik. Er habe mittlerweile sämtliches Vertrauen in den Staat verloren.

Bereits seit 1998 steht Aziz Yıldırım – mit Unterbrechungen – an der Spitze von Fenerbahçe Istanbul. Doch Anfang Juli 2011 die scharfe Zäsur: Morgens um sieben Uhr steht plötzlich die Polizei vor seiner Tür. Sie untersuchen sein Haus und nehmen ihn fest (die Polizei führte mehrere Razzien durch – mehr hier). Gut ein Jahr ist seither vergangen. Hoffnungen auf eine Freilassung im März 2012 bestätigten sich nicht (er kündigte sogar an, für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen – mehr hier).

Während der 20. Anhörung zum Spiele-Manipulationsskandal vor einem Gericht in Istanbul am vergangenen Dienstag wirkte Yildirim nun sichtlich zermürbt. Er habe „kein Vertrauen mehr in den Staat“, ließ er während seiner Verteidigung erlauten. Früher sei das anders gewesen. Jetzt, nachdem er ein Gefängnis von innen gesehen hätte, hätte sich seine Sicht gewendet. „Es gibt hier Leute, die wegen 50 Lira im Gefängnis sitzen. Ich denke, die vertrauen dem Staat auch nicht mehr.“

Aziz Yildirim glaubte an Komplott gegen ihn

Yildirim gehört zu insgesamt 93 Offiziellen, Spielern und Trainern, die der Spiele-Manipulation in der Saison 2010/2011 der türkischen SüperLig, die übrigens mit dem Titelgewinn für Fenerbahçe mit nur einem Tor Differenz auf Trabzonspor endete, bezichtigt werden. Lange glaubte er daran, dass seine Verhaftung ein Komplott gegen ihn sei, um ihm seinen Platz an der Spitze des Vereins streitig zu machen. „Die Republik Fenerbahçe hat sich Seite an Seite mit der Türkischen Republik entwickelt. Sie repräsentierte die türkische Jugend, die seit Jahrzehnten Atatürk folgt“, so Yıldırım früher in diesem Jahr während seiner ersten Anhörung. „Das ist der Grund, warum es Bestrebungen gibt, den Club zu zerstören.“

Bis zu 39 Jahren und zehn Monate Haft für Fenerbahçe-Chef

Wie türkische Medien derzeit berichten, wird erwartet, dass der Fall nun bis zum Ende der Woche abgeschlossen werde. Bereits am 1. Juni gab die Staatsanwaltschaft ihre endgültige Stellungnahme ab. Darin forderte sie Haftstrafen für insgesamt 21 Spieler und Offizielle. Ufuk Ermertcan sieht darin Haftstrafen für mehrere Mitglieder von Fenerbahçe und Trabzonspor, aber auch für Spieler aus den Clubs Eskişehirspor, Sivasspor, Gençlerbirliği und Bursaspor vor. Auch zwei Verdächtige von Beşiktaş hat er auf seiner Liste. Für Yıldırım verlangt Ermertcan er eine Haftstrafe zwischen 14 und 39 Jahren und zehn Monaten. Insgesamt soll er sechs Spiele manipuliert, bei drei Spielen  Motivationsprämien gezahlt und eine (kriminelle) Bande gegründet haben, um sich wirtschaftlich nicht verdiente Vorteile zu baschaffen.

Diese Vorwürfe wies Yıldırım in der jüngsten Anhörung einmal mehr zurück. Die Entscheidung des obersten Richters Mehmet Ekinci wird für den 29. Juni erwartet.

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