Bade zum Integrationsbericht: „Ohrfeige für die Vertreter des Geredes von der ‚gescheiterten Integration‘“

Immer mehr Ausländer machen in Deutschland Abitur. Das geht aus dem aktuellen Integrationsbericht der Bundesregierung hervor. Das Argument der gescheiterten Integration habe deshalb keine Grundlage mehr, sagt Integrationsforscher Klaus Bade. Einen Rückschritt würde dagegen das geplante Betreuungsgeld bedeuten.

„Staatsministerin Böhmer betont zu Recht die voranschreitenden Integrationserfolge im Bildungsbereich“, erklärte Professor Dr. Klaus J. Bade, Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Zwischen 2005 und 2010 ist der Anteil ausländischer Abiturienten um 36 Prozent gestiegen, wie aus dem aktuellen Integrationsbericht hervorgeht. „Noch nie hat sich bei der Integration so viel getan wie in den vergangenen beiden Jahren“, sagte die Ausländerbeauftragte Böhmer bei der Vorstellung des neunten Integrationsberichts am Mittwoch. Für Bade ist dieses Ergebnis eine „erneute Ohrfeige für die Vertreter des Geredes von der ‚gescheiterten Integration‘ in Deutschland.“

Ausländische Schüler müssen zwar noch aufholen, doch die steigende Zahl der Abiturienten zeigt eine positive Entwicklung. (Foto:fflickr/LyleSMU102)

Ausländische Schüler müssen zwar noch aufholen, doch die steigende Zahl der Abiturienten zeigt eine positive Entwicklung. (Foto:fflickr/LyleSMU102)

Die Zahl der deutschen Abiturienten ist in dem genannten Zeitraum um 26 Prozent gestiegen. Trotzdem müssen ausländische Schüler noch aufholen. Während von ihnen nur 15 Prozent die Hochschulreife erreichen, sind es bei deutschen Schülern 36 Prozent. 2010 lag die Zahl der Migranten nach Angaben Böhmers bei 15,7 Millionen, von denen allerdings mehr als die Hälfte bereits die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Eine Steigerung ist zudem bei der Betreuungsquote zu verzeichnen. Demnach schicken immer mehr Eltern ihre Kinder in den Kindergarten. Bade sagt allerdings, gerade deshalb stelle das Betreuungsgeld eine Gefahr dar und bezeichnet es als „bildungspolitisches Eigentor erster Ordnung“ (im Interview mit den DTN warnt er vor der wachsenden Islamophobie – mehr hier).

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