Aus Sicherheitsgründen: Französische Flughäfen verlangen Abnahme des Kopftuchs

An einigen französischen Flughäfen wurde damit begonnen, Frauen mit Kopftuch darum zu bitten, dieses aus Sicherheitsgründen abzunehmen. Die neue Praxis blieb von der muslimischen Community im Land nicht ohne Reaktion. Sie fühlen sich ob des ungewöhnlichen Vorgehens diskriminiert.

An einigen französischen Flughäfen geht der Sicherheitscheck weiter als Frauen mit Kopftuch lieb sein könnte. (Foto: DTN)

An einigen französischen Flughäfen geht der Sicherheitscheck weiter als Frauen mit Kopftuch lieb sein könnte. (Foto: DTN)

Wie das Kollektiv gegen Islamfeindlichkeit in Frankreich (CCIF) mitteilt, habe der Flughafen Nantes-Atlantique es für kopftuchtragende Frauen bereits obligatorisch gemacht, dass diese ihre Bedeckung abnehmen und zusammen mit ihren anderen Habseligkeiten eine Röntgenvorrichtung passieren müssten (erst im April 2012 erklärte Amnesty International, dass europäische Länder Grundrechte der Muslime verletzen würden – mehr hier).

Die neue Regelung wurde bereits vor zwei Wochen durch die SGA, die am Flughafen Nantes-Atlantique zuständige Sicherheitsfirma, eingeführt. Frauen, die von dieser Neuerung betroffen sind, verlangten darauf hin, dass ihnen erlaubt werde, ihr Kopftuch wenigstens in einem separaten Raum, in dem sich ausschließlich Frauen aufhalten, abzulegen. Diese Forderung wurde jedoch abgelehnt. Ihnen wurde erklärt, dass sie ihre Kopftücher am Gepäckband ablegen und dann durch die Sicherheitsschleuse zu gehen hätten, wenn sie ihr Flugzeug nicht versäumen wollten.

Unterdessen verteidigt die SGA ihre Entscheidung mit der Begründung, dass sich unter einem Kopftuch leicht gefährliche Gegenstände verstecken ließen. Eine Argumentation, die in der muslimischen Community Frankreichs für Empörung sorgte (in der Türkei machen sich derweil einige AKP-Frauen für eine Aufhebung des Kopftuchverbots stark – mehr hier).

Eigener Raum für Sicherheitscheck wurde abgelehnt

Laut EU-Flughafen-Sicherheitsvorschriften hat das Sicherheitspersonal nicht die Befugnis Frauen aufzufordern, ihre Kopftücher abzunehmen. Wie Narin Yüksel, eine der Frauen, die am Flughafen Nantes-Atlantique dennoch dazu aufgefordert wurde, gegenüber der türkischen Presse erklärte, sei das das erste Mal in den 30 Jahren, in denen sie in Frankreich lebe, gewesen, dass ihr eine solche Diskriminierung widerfahren sei. „Ich bin 65. Was soll schon unter dem Kopftuch einer 65-Jährigen sein? Sie erklärten mir, dass ich nicht in mein Flugzeug könne, wenn ich mein Kopftuch nicht abnehme.“ Wie ihre Tochter Hatice weiter angibt, hätten die Sicherheitsleute ihrer Mutter nicht mal erlaubt, das Tuch auf ihren Schultern abzulegen. Vielmehr sei auch dieses durchleuchtet worden. „Als ich sie bat, den Sicherheitscheck in einem abgetrennten Raum vorzunehmen, drohten sie damit die Polizei zu rufen, falls meine Mutter sich weigere, das Kopftuch abzunehmen.“

Gouverneur von Nantes will einschreiten

Laut CCIF gäbe es diese neue Regelung allerdings nicht nur am Flughafen Nantes-Atlantique, sondern auch am  Flughafen Bordeaux. Auch von dort hätten sie Beschwerden erreicht. Das Conseil français du culte musulman (CFCM), ein islamischer Dachverband in Frankreich, der dem französischem Innenministerium nahe steht, verurteilte die neue Sicherheitsprozedur und rief Innenminister Manuel Valls an, eine Untersuchung einzuleiten. Auch der Präsident der Union des Associations Turques du Grand Ouest (UNATGO), İsa Sevencan, erklärte gegenüber den türkischen Medien, dass er bereits den Gouverneur von Nantes, Christian de Lavernée, kontaktiert habe. Er soll bereits zugesagt haben, der Praxis am Flughafen ein Ende zu bereiten. „Wir werden nicht zulassen, dass solche Aktionen, die unser Zusammenleben bedrohen, noch einmal geschehen.“

Erst in der vergangenen Woche wurde es der türkischen Staatsangehörigen, Kübra Kağıtçı, auf Grund ihres Kopftuches nicht erlaubt eine Bank in Belfort zu betreten. Die Zahl der islamophoben Übergriffe auf kopftuchtragende Frauen in Frankreich ist in den letzten Jahren gestiegen. Im Jahr 2011 galten ihnen 94 Prozent aller islamophoben Angriffe. Seit 2004 ist das Tragen eines Kopftuches an Grund- und weiterführenden Schulen in Frankreich verboten. An Universitäten sind sie jedoch weiterhin erlaubt.

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