Suche nach vermissten Kindern: Türkische Polizei setzt auf neuartige Spürhunde

Die türkische Polizei ist im Begriff eine neue Generation Spürhunde auszubilden, um künftig effektiver nach vermissten Kindern, aber auch nach Verbrechern fahnden zu können. Darüber hinaus sollen die Vierbeiner besonders auf Menschen in Not, wie etwa Epilepsie- und Alzheimer-Patienten, trainiert werden.

Die Polizei in Ankara hat bereits Hunderte von Spürhunden ausgebildet, die jedes Jahr Tausenden das Leben retten. Jetzt soll das Training und damit die Fähigkeiten der Tiere weiter verbessert werden. (Foto: DTN)

Die Polizei in Ankara hat bereits Hunderte von Spürhunden ausgebildet, die jedes Jahr Tausenden das Leben retten. Jetzt soll das Training und damit die Fähigkeiten der Tiere weiter verbessert werden. (Foto: DTN)

Die türkische Polizei befindet sich gerade in der Ausbildung einer neuen Charge von Spürhunden. Nicht nur, um Verbrecher künftig besser zu fassen, sondern auch um mit ihrer Hilfe verlorene Kinder zu finden. Für diese Zwecke wenden die Hundetrainer ein neues und verbessertes Erziehungssystem an.

Wie Oğuz Aydın, Leiter des polizeilichen Hundetrainingszentrums in Ankara, erklärt, seien zwei Hunde-Experten eigens für 45 Tage nach Deutschland gereist, um dort persönlich neue Trainingsmethoden zu studieren und die eigenen Erziehungsfähigkeiten zu verbessern. Dort begleiten die treuen Vierbeiner Polizeibeamte schon seit über 100 Jahren im Dienst. Heute werden Tausende Hunde bei der deutschen Polizei eingesetzt. Allein 450 Diensthunde stehen im Dienst der Bundespolizei. Die Grundausbildung der Hunde dauert hierzulande in der Regel 70 Tage. Infrage kommen nur besonders mutige Tiere. Trainiert werden das gezielte Aufspüren von Beweismitteln, das Verfolgen von Täterfährten, das Aufspüren von versteckten Personen, die Verfolgung und das Festhalten flüchtender Täter, die Abwehr von Angriffen auf den eigenen Hundeführer sowie unterschiedliche Gehorsamsübungen. Begonnen hatte das neue türkische Ausbildungsprojekt mit einem Welpen und einem ausgewachsenen Rettungshund am renommierten Gölbaşı Hundetrainingszentrum in Ankara.

“Obwohl wir gerade erst mit der Hundeausbildung begonnen haben, zeigen schon beide Hunde Erfolge”, freut sich Aydın über die ersten Schritte des Projekts, das derzeit noch in der Forschungs-und Entwicklungsphase steckt und durch das Innenministerium unterstützt wird. Mittlerweile könne der Welpe in einem kleinen Radius versteckte Dinge ausmachen, während sein ausgewachsener “Kollege” bereits ein Umfeld von 350 Metern bewältigt. Nach Abschluss der Ausbildung betrage der Radius gut und gerne zehn Kilometer (vielen ihrer Artgenossen in der Türkei geht es hingegen nicht so gut – mehr hier).

Spürhunde im Einsatz gegen den Terrorismus

Derzeit suche die türkische Polizei nach der besten Art von Spürhunden, um diese dann in den Dienst zu stellen, fährt Aydın fort. Die Abteilung für Öffentliche Ordnung sei bereits begeistert von dem Projekt. “Diese Hunde werden sehr hilfreich sein bei der Suche nach verlorenen Kindern, sowie bei verschwundenen Epilepsie- und Alzheimer-Patienten. Die Abteilung Öffentliche Ordnung hat bereits ausgebildete Hunde angefordert. Diese Spürhunde werden auch in der Terrorismusbekämpfung eingesetzt werden, indem sie unsere Sicherheitskräfte bei Schlägen gegen Terroristen unterstützen werden.

Hunde haben den besten Geruchssinn, sagte Aydin. So viele Gerüche die Menschen hätten, so besäßen diese Hunde die Fähigkeiten alljene zu unterscheiden. Es reiche aus, dem Spürhund den Geruch einer Person, die gesucht werde, anzureichen. Nachdem der den Geruch wahrgenommen habe, könne er den Vermissten oder Gesuchten auch leicht aufspüren (seit wenigen Monaten gibt es in der Türkei auch eine Partei für Tierrechte – mehr hier).

Obschon ein Hund ein Duftgemisch selektiv wahrnehmen kann, sei das Aufnehmen einer Fährte im offenen Feld jedoch wesentlich einfacher als etwa in einer Großstadt. Dort hinterließen die Menschen zumeist viel mehr Geruchsfährten, würden viel mehr Dinge anfassen. Gerüche würden sich zudem überlagern. Hier unterstützen die Mobese-Kameras die Polizeiarbeit, um so eventuell den abzusuchenden Bereich für den Hund einzugrenzen. Die Forschungs-und Entwicklungsarbeiten am neuen Trainingsprojekt sollen voraussichtlich in etwa vier Monaten abgeschlossen sein und die Hunde dann in den Polizeidienst gestellt werden.

Exzellente Spürnasen – hervorragende Diagnostiker

Wie erstaunlich die Nasen der Vierbeiner sind, beweisen diese übrigens nicht nur in Polizeieinsätzen weltweit. Im vergangenen Sommer sorgte die Meldung für Aufsehen, dass eigens ausgebildete Spürhunde über den Atem von Patienten sogar Lungenkrebs erschnüffeln könnten. In einer Studie von Medizinern der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen im Kreis Ludwigsburg hatten speziell ausgebildete Hunde in 71 von 100 Fällen den Krebs erkannt. Außerdem entschieden sie in 372 von 400 Fällen richtig, dass die Probanden keinen Lungenkrebs hatten. Und das ist auch kein Wunder. Zum Vergleich: In der Riechschleimhaut des Hundes befinden sich etwa 220 Millionen Riechzellen, beim Menschen sind es jedoch nur etwa fünf Millionen. Die im “European Respiratory Journal” erschienene Studie bestätigte damit auch bisherige kleinere Untersuchungen zum Thema.

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