Spiele-Manipulationsskandal: Fenerbahçe Chef Aziz Yildirim schuldig, aber frei!

Drei Tage später als zunächst erwartet hat ein Istanbuler Gericht nun sein Urteil über Fenerbahçe Chef Aziz Yıldırım gefällt. Eigentlich verhängte der Richter sowohl eine Haft- als auch eine Geldstrafe. Dennoch kamen er und drei weitere Inhaftierte noch an diesem Montagnachmittag frei.

Im größten Fußball-Skandal der Türkei hat Fenerbahçe Chef Aziz Yildirim einen Schuldspruch einstecken müssen. Wegen der Manipulation von fünf Liga-Spielen verurteilte ihn das Gericht in Istanbul zu einer Geld- und einer Hafstrafe. Das Gericht sah es als erwiesen, das er die Ligaspiele gegen Karabükspor, Ankaragücü, Sivasspor und Istanbul BSB maniupuliert hat. Darüber hinaus hat Aziz Yildirim die Partie Eskisehispor gegen Trabzonspor geschoben.

Eigentlich muss der Clubchef nun sechs Jahre und drei Monate hinter Gitter. Bis es tatsächlich soweit ist, kann es jedoch dauern. Denn die Entscheidung, die Urteilsbegründung umfasst insgesamt 102 Seiten, ist nun zum Obersten Berufungsgericht zur Überprüfung weitergeleitet worden. Bestätigt er das Urteil, muss Yildirim zurück ins Gefängnis. Darüber hinaus muss er eine Geldstrafe von 1,312,000 Lira zahlen. Mit einem Berufungsverfahren wird erst in etwa sechs bis zwölf Monaten gerechnet.

Yildirim wird Gründung einer „bewaffneten Bande“ vorgeworfen

Insgesamt 93 Verdächtige mussten sich seit vergangenen Februar wegen angeblicher Spiele-Manipulationen in der türkischen Fußballwelt in der Saison 2010-2011 vor Gericht verantworten (die Polizei führte mehrere Razzien durch – mehr hier). Vorgeworfen wurde ihnen in diesem Zusammenhang auch die Gründung einer „bewaffneten Bande“, die Fußballspiele im großen Stile manipulieren sollte. Betroffen sein sollen bis zu 19 Spiele in der Süper Lig, die übrigens mit dem Titelgewinn für Fenerbahçe mit nur einem Tor Differenz auf Trabzonspor endete, sowie weitere Partien in der zweiten Liga.

Bereits vor gut einem Monat gab die Staatsanwaltschaft ihre endgültige Stellungnahme zum Fall ab. Darin wurden Haftstrafen für insgesamt 21 Spieler und Offizielle gefordert, darunter für mehrere Mitglieder von Fenerbahçe und Trabzonspor, aber auch für Spieler aus den Clubs Eskişehirspor, Sivasspor, Gençlerbirliği und Bursaspor vor. Auch zwei Verdächtige von Beşiktaş hatte Ufuk Ermertcan auf seiner Liste. Für Yıldırım verlangte er eine Haftstrafe zwischen 14 und 39 Jahren und zehn Monaten. Der Vorwurf: Insgesamt soll er sechs Spiele manipuliert, bei drei Spielen  Motivationsprämien gezahlt und eine (kriminelle) Bande gegründet haben, um sich wirtschaftlich nicht verdiente Vorteile zu baschaffen. Diese Vorwürfe wies Yıldırım in seiner jüngsten Anhörung noch einmal zurück. Die Entscheidung des obersten Richters Mehmet Ekinci war ursprünglich für den 29. Juni erwartet worden.

Seit Anfang Juli 2011 saß Yildirim in Untersuchungshaft (erst vor kurzem erklärte er, sämtliches Vertrauen in den türkischen Staat verloren zu haben – mehr hier). Neben ihm wurden zwei weitere Funktionäre wegen Spielmanipulationen und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilt. Der stellvertretende Vorsitzender İlhan Ekşioğlu erhielt ein Jahr, zwei Monate und 15 Tage. Ein weiterer Fenerbahçe-Offizieller, Şekip Mosturoğlu, bekam ein Jahr und zehn Monate.

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