Ein Stück Hamburg in der Türkei: Türkisches Dorf mit „Bergedorfer Straße“

Einige Hamburger Politiker machen gelebte beiderseitige Integration vor. Mit dem Bergedorfer Bürgerschaftsabgeordneten Ali Şimşek ist eine insgesamt 11-köpfige SPD-Delegation derzeit in der Türkei und gibt einer türkischen Straße symbolisch den Namen „Bergedorfer Straße“.

Der Hamburger Abgeordnete Gerhard Lein (SPD), Feramuz Bulut, Vorstandsmitglied des Kulturvereins AKD, der Bezirksbürgermeister von Bergedorf, Arne Dornquast und der Hamburger SPD-Abgeordnete Ali Riza Simsek präsentieren das Schild in Hamburg (von links nach rechts). (Foto: SPD-Fraktion Hamburg)

Der Hamburger Abgeordnete Gerhard Lein (SPD), Feramuz Bulut, Vorstandsmitglied des Kulturvereins AKD, der Bezirksbürgermeister von Bergedorf, Arne Dornquast und der Hamburger SPD-Abgeordnete Ali Riza Simsek präsentieren das Schild in Hamburg (von links nach rechts). (Foto: SPD-Fraktion Hamburg)

„Integration beruht auf Gegenseitigkeit“ – dieses Motto haben Hamburger SPD-Abgeordnete ernst genommen und sagten ihren Wählern: „Wir wollen auch einmal eure Heimat kennen lernen“, erklärt Süheyla Kaplan, Pressesprecherin des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ali Şimşek für den Bezirk Bergedorf, im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Dass er selbst für ein Interview derzeit nicht zur Verfügung steht, liegt daran, dass Şimşek gemeinsam mit einer insgesamt 11-köpfigen SPD-Delegation auf Reisen ist – in der Türkei. Die Besucher schauen sich vor Ort an, aus welchem Dorf einige der ehemaligen Bergedorfer Migranten eigentlich stammen.

Ali Riza Simsek (Foto: SPD-Fraktion Hamburg)

Ali Riza Simsek (Foto: SPD-Fraktion Hamburg)

„Alles fing damit an, dass einige Einwohner des türkischen Dorfes Karabalı als Gastarbeiter nach Bergedorf kamen und in einer Fabrik arbeiteten“, erzählt Kaplan. Wie es bei Einwanderern „überall auf der Welt“ der Fall sei, folgten Verwandte und Bekannte und ließen sich in Hamburg, nieder. Heute gibt es in Bergedorf sogar den Karabalılar Verein (AKD), der aus 70 Familien besteht.

Im türkischen Dorf Karabali spricht jeder zweite Deutsch

In Bergedorf lebt nun bereits die zweite und dritte Generation der ehemaligen Migranten. Vor allem die erste Generation reist noch immer gern in ihr Heimatdorf, in dem nun bereits jeder zweite Deutsch spricht, wie der Dorfrat bei einem Besuch in Deutschland im Januar erklärte. Einige von ihnen sind sogar wieder endgültig in die Türkei ausgewandert und haben nun ein Andenken an ihre zweite Heimat. Einer Straße im Dorf wurde der symbolische Name „Bergedorfer Straße“ gegeben. Das Schild ziert nun den Wegesrand des kleinen Ortes mit nur rund 150 Einwohnern (in Mannheim löste die Suche nach einem möglichen türkischen Werbenamen für einen Stadtteil breite Proteste aus – mehr hier). Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast zeigt sich erfreut und erklärt, er sei stolz darauf, diese Form der gelebten Integration mit einem echten Bergedorfer Straßenschild zu unterstreichen.

Noch bis Ende der Woche bilden sich die Hamburger sowohl kulturell als auch politisch weiter. Neben einem Treffen mit dem Gouverneur der Provinz Yozgat, in der das Dorf liegt, stehen noch Besuche von Kappadokien und Hattusa an.

Mehr zum Thema:

„Little Istanbul“: Mannheim will mit neuem Markenzeichen für türkischen Stadtteil werben
Konsum und Integration: Migranten in Deutschland stehen unter enormem Druck
Bade zum Integrationsbericht: „Ohrfeige für die Vertreter des Geredes von der ‚gescheiterten Integration‘“

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.