Türkei: Kaiserschnitt nur noch mit medizinischer Indikation

Kaiserschnitt-Geburten können in der Türkei künftig nur noch aus medizinischen Gründen durchgeführt werden. Das geht aus einem Gesetz hervor, das an diesem Mittwoch vom türkischen Parlament verabschiedet wurde.

Liegt kein trifftiger medizinischer Grund vor, dürfen in der Türkei künftig keine Kaiserschnitte mehr vorgenommen werden. (Foto: MichaelEClarke/flickr)

Liegt kein trifftiger medizinischer Grund vor, dürfen in der Türkei künftig keine Kaiserschnitte mehr vorgenommen werden. (Foto: MichaelEClarke/flickr)

Eine kürzlich vom türkischen Gesundheitsministerium veröffentlichte Statistik zu Kaiserschnitt-Geburten in der Türkei hat in der Folge zu einer breit angelegten Debatte im Land geführt. Auch der der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan sprach im Zuge seines folgenschweren Satzes vom vergangenen Mai „Abtreibung ist Mord“ (in der Folge gingen Tausende türkische Frauen und Männer auf die Straße – mehr hier) das Thema an. Seiner Ansicht nach sei Abtreibung ein Verbrechen und Kaiserschnitte absolut unnatürlich.

Während das Abtreibungsrecht in der Türkei infolgedessen nicht verschärft wurde und somit alles so bleibt, wie es ist (die Zehn-Wochen-Frist bleibt bestehen – mehr hier), sollen mit dem neuen, rechtskräftigen Gesetz nun jedoch die immer weiter ansteigenden Zahlen an Kaiserschnitten zurückgefahren werden. In einigen türkischen Privatkliniken liegt ihr Anteil nach Regierungsangaben derzeit bei 90 Prozent und damit weit über der von der WHO empfohlenen Quote von 15 Prozent.

Kaisernschnitt: Vor allem in türkischen Privat- und Universitätskrankenhäusern die Regel

Der Trend ist vor allem in den letzten Jahren zu beobachten: In öffentlichen Krankenhäusern lag die Rate der Kaiserschnitte im Jahr 2009 bei 39.3 Prozent. In Privatkrankenhäusern erfolgten gar 61.8 Prozent der Geburten auf diesem Weg. Noch höher war der Prozentsatz mit 63.2 in Universitätskrankenhäusern. Im Jahr 2010 stiegen die Zahlen erneut auf 40.2 Prozent, 63.7 Prozent und 65.2 Prozent. Etwas anders dann die Verteilung im vergangenen Jahr: 36,8 Prozent aller Geburten in öffentlichen Krankenhäusern waren ein Kaiserschnitt, 66.6 Prozent fanden in privaten Krankenhäusern statt und 65.9 der Geburten in Universitätskrankenhäusern erfolgten via Skalpell.

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