Mord an Hrant Dink: Sollte Orhan Pamuk das nächste Opfer sein?

Yasin Hayal, der den zum Tatzeitpunkt minderjährigen Ogün Samast zur Erschießung des armenischen Journalisten Hrant Dink drängte, hat nun erklärt, dass die Drahtzieher hinter diesem Mord auch die Tötung des türkischen Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk geplant hätten.

Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk sollte offenbar ermordet werden. (Foto: DTN)

Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk sollte offenbar ermordet werden. (Foto: DTN)

Dink wurde am 19. Januar 2007 auf offener Straße vor der Redaktion der armenischen Zeitung „Agos“ in Istanbul erschossen. Die Polizei konnte damals sowohl den Schützen, Ogün Samast, als auch seinen Komplizen, Hayal, festnehmen. Als Letzterer dann vor Gericht erschien, warnte er: „Orhan sollte vorsichtig sein.“

Fünf Jahre später lässt ihn das Geschehen offenbar auch in seiner Gefängniszelle in Tekirdağ nicht los. Wie türkische Medien derzeit berichten, soll er erklärt haben, dass ihm Erhan Tuncel, der als Informant für die Polizei von Trabzon arbeitete, kurz nach dem Mord an Dink verhaftet, später aber wieder freigelassen wurde, gesagt habe: „Hrant Dink und Orhan Pamuk sind gefährlich für diese Nation. Sie sollten getötet werden. Aber Priorität hat Dink.“

Im vergangenen Januar wurde Ogün Samast zu 22 Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der 31-jährige Hayal erhielt wegen Anstiftung zum Mord lebenslänglich. Tuncel hingegen wurde des Mordes an Dink für nicht schuldig befunden (fast 10.000 Menschen protestierten gegen die richterliche Entscheidung, dass die Tat das Werk eines Einzeltäters gewesen sein soll – mehr hier).

Yasin Hayal bedauert Aussagen über Orhan Pamuk

Weiter gab Hayal an, dass er seine mahnenden Worte damals auf Grund der Aussagen Tuncels in Richtung Pamuk geäußert hätte. Er erklärte, dass sie die Pläne Pamuk zu ermorden zurückgestellt hätten, nachdem die Ermordung des armenischen Journalisten zu einem Aufschrei im ganzen Land und innerhalb der internationalen Gemeinschaft geführt hatte. Mittlerweile würde er die Aussagen über Pamuk, die das Ergebnis von Unwissenheit gewesen wären, bedauern. „Sie waren der Jugend und der Unwissenheit geschuldet. Falls ich diesen Ort eines Tages doch verlassen sollte, werde ich ihn besuchen, seine Hand küssen und mich bei ihm entschuldigen. Ich bedaure das wirklich sehr“, so Hayal.

Pamuk hatte vor einigen Jahren den Zorn nationalistischer Zirkel auf sich gezogen, als er in einem Interview mit dem Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers vom 5. Februar 2005 erklärte: „Ja, jeder sollte das tun. Man hat hier 30.000 Kurden umgebracht. Und eine Million Armenier. Und fast niemand traut sich, das zu erwähnen. Also mache ich es. Und dafür hassen sie mich.“ (noch immer gilt in der Türkei: Wer schreibt, lebt gefährlich – mehr hier) Die Türkei bestreitet die systematische Tötung von Armeniern in den Jahren 1915 und 1923. Ihrer Ansicht nach haben beide Seiten Verluste bei der Auflösung des Osmanischen Reiches erlitten.

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