Risiko Cyber-Attacke: Türkei gehört zu den Top Ten der gefährdeten Nationen

Cyber-Sicherheit gehört mittlerweile zu einem der wichtigsten Themen überhaupt. So gut wie jede Nation hat es ganz oben auf seiner Agenda. Dies gilt sicherlich auch für die Türkei, die schweren Cyber-Angriffen und Bedrohungen ausgesetzt ist. Die Regierung hat bereits reagiert. Doch reichen diese Maßnahmen aus?

„Die Türkei ist unter den Top 10 Ländern, die Cyber-Attacken ausgesetzt sind“, warnte Professor Mustafa Alkan, Vorsitzender der Informatiksicherheitsvereinigung, während eine strategischen Workshops zum Thema Internetsicherheit in Ankara am 19. Juni dieses Jahres. Das Thema sei umso ernster, als dass Länder, die nicht über solide Sicherheitsmechanismen verfügen würden, nicht nur den Verlust von sensiblen Informationen und Daten an fähige Hacker, sondern auch deren Manipulation oder gar Löschung riskierten.

In Anbetracht dessen, dass fast alle Länder eine Internetsicherheits-Infrastruktur entwickelt haben, erklärte Alkan weiter: „Wir hoffen, dass der Entwurf von Gesetzen, die sich mit Internetsicherheit und dem Schutz persönlicher Daten befassen, zum frühestmöglichen Zeitpunkt vom Parlament angenommen.“ Der Grund für seine Forderung ist nicht von der Hand zu weisen: In der Vergangenheit wurden Internetseiten führender türkischer Institutionen, wie dem Innenministerium, Turkish Airlines (THY) und der Nationalen Polizeibehörde bereits Opfer solcher Cyber-Attacken. Im Fall von Turkish Airlines mussten infolgedessen das Buchen und das Gepäck per Hand erledigt werden. Online-Buchungen waren eine Weile überhaupt nicht möglich. Organisationen in der Türkei haben bis heute zu einem großen Teil durch eigene Mittel gegen diese Angriffe gekämpft (die Türkei will ihren Vorsprung auf dem Gebiet digitaler Technologien gegenüber der EU weiter ausbauen – mehr hier).

Türkei muss übergreifende Kontrollbehörde schaffen

Doch das reicht offenbar nicht aus. Nach Ansicht von Alkan ist es nötig, eine nationale Internetsicherheits-Koordinations-Behörde ins Leben zu rufen, um künftig alle öffentlichen Institutionen zu schützen und um solche Angriffe auf Infrastrukturen zu überwachen. Fast alle entwickelten Länder haben mittlerweile eigene strategische Überlegungen zu diesem Thema getroffen und eigene Internetverteidigungseinheiten und Internetsicherheitsstrategien entwickelt. „Wir müssen beides umsetzen, ein nationales Internetsicherheitsdokument und eine Behörde, die die Aktivitäten der öffentlichen Institutionen, wie etwa desWissenschafts- und Technologieforschungsrats der Türkei (TÜBITAK) oder der Telekommunikation Direktion (TİB), des Generalstabs und des Innenministeriums, koordiniert“, führt Alkan weiter aus. Die dazu nötigen „schlauen Köpfe“, dessen ist er sich sicher, wären in der Türkei jedenfalls vorhanden (auch die türkische Hackergruppe RedHack steht derzeit im Visier der Ermittler. Sie soll künftig als terroristische Organisation betrachtet werden – mehr hier).

Informatiksicherheitsvereinigung, so berichten die türkischen Medien, hat ein solches Dokument bereits vorbereitet, um es dem Bundesministerium für Verkehr, Maritime Angelegenheiten und Kommunikation zu präsentieren. Der Fachmann warnt: „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass uns nicht alle Arten von Cyber-Attacken gegen öffentliche und private Institutionen bekannt sind. Erst durch WikiLeaks wurde bekannt, dass auch Kommunikationssysteme gehackt und dabei eine Vielzahl von Informationen, die vertraulich bleiben sollten, erbeutet wurden. Auch in Zukunft wird es mit großer Intensität ähnliche Angriffe geben, um Informationen zu erhalten, zu löschen und zu manipulieren. Aber wir wissen nicht, wer das sein wird. Wir wissen nicht, wann das sein wird, ob dabei die Systeme der öffentlichen Institutionen infiltriert werden und welche Informationen dabei abgegriffen werden.“

Türkische Regierung stellt Geld für Forschungsprojekte bereit

Die Türkei ist gerade dabei, einige wichtige Schritte zu unternehmen, um sich selbst zu schützen. Bei einer kürzlichen internationalen Konferenz in Istanbul erklärte der Minister für Verkehr, maritime Angelegenheiten und Kommunikation, Binali Yıldırım: „Eines unserer jüngsten Projekte zum Thema Internetsicherheit wird in kürze fertiggestellt sein. Dann werden die Kapazitäten haben, was vor sich geht und wer, welche Art von Unfug treibt.“ Daneben werde Regierung finanzielle Unterstützungen zwischen 100.000 und drei Millionen Lira für Forschungs-und Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet der Informatik zur Verfügung stellen. Ein weiterer wichtiger Schritt der Türkei im Kampf gegen Cyber-Bedrohungen ist „Pardus“, ein nationales Betriebssystem, das von TÜBITAK entwickelt wurde. Ursprünglich im Jahr 2003 für öffentliche Institutionen entwickelt, wird Pardus nun für die Verwendung durch den durchschnittlichen Computerbenutzer geändert. Das gleiche Betriebssystem ist bereits im Einsatz in 85,000 der Smart Boards, die im Rahmen des FATİH Projekts an Gymnasien verteilt und auf weiteren 620,000 Geräten installiert werden soll.

Einige öffentliche Einrichtungen, darunter die Ministerien für Gesundheit, Finanzen und Justiz, sind ebenfalls an Pardus interessiert und stehen diesbezüglich bereits mit TÜBİTAK in Kontakt. Ein eigenes nationales Betriebssystem wird die Nutzung anderer, ausländischer Systeme überflüssig machen. Gleichzeitig würde das der Türkei größere Kontrolle über seine Internetsicherheit geben. e-Çelebi, die türkische Antwort auf Google, ist ein weiteres Projekt, dessen Implementierung bereits geplant ist. Yıldırım, der bereits eingestand, dass die Türkei auf diesem Gebiet etwas spät dran sei, erklärte beim Untersuchungsausschuss für Informatik und Internet im Parlament, dass es für ein Land geradezu untragbar sei, dass alle Informationen von einer Quelle in einem fremden Land abgeschöpft würden. Eine eigene Suchmaschine, davon zeigte er sich überzeugt, würde helfen, genau das einzudämmen.

Tayfun Acarer, Direktor der Informationstechnologien und Kommunikations Behörde, hat die Bedeutung dieses Themas kürzlich wohl am besten beschrieben: „Wirtschaftlicher Erfolg hängt nun davon ab, wie erfolgreich man mit Cyber-Attacken umgeht.“ Die Kriege der Zukunft würden nicht mehr mit Waffen ausgetragen. Sie finden im Internet statt.

Mehr zum Thema:

Türkei: Hacker-Gruppe legt Internetseite des Außenministeriums lahm
Festnahmen in der Türkei: Cyberattacke auf Seite des Obersten Wahlausschuss vereitelt
Kurz vor der Wahl: Hackerangriff auf offizielle türkische Internetseiten

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.