Nach der Abtreibung: Türke erdrosselt seine Freundin

Ein junger Mann, der der Tötung seiner 19-jährigen Freundin beschuldigt wird, erklärte, dass er das Verbrechen in einem Wutanfall begangen hätte. Der Grund: Die Frau hatte das gemeinsame Baby abgetrieben.

Vor einem Gericht in der südtürkischen Provinz Adana haben nun die Anhörungen im Mordfall von Tuba Genç begonnen. Dem 23-jährigen mutmaßlichen Täter, Tahsin Can Bulat, droht lebenslange Haft.

Ursprünglich waren Bulat und Genç gemeinsam weggelaufen. Zuerst soll es nach Antalya gegangen sein, wo sie auch eine sexuelle Beziehung hatten. Dann zog es das Paar in die Marmara Provinz Sakarya. Bevor die beiden aus Sakarya abreisten, so gab Bulat an, habe seine Freundin ihm erklärt, dass sie schwanger sei (vor wenigen Wochen sorgte ein spektakuläres Video für Aufsehen, in dem ein Mädchen ihr Neugeborenes angeblich auf dem Bürgersteig zurückließ – mehr hier).

Mutmaßlicher Täter kann sich an Mord nicht erinnern

„Sofort als wir da waren [in Sakarya] habe ich die Papiere beim Standesamt eingereicht“, erinnert sich Bulat vor Gericht zurück. „Dann kehrte [Genç] nach Adana zurück. Sie sagte, ihr Bruder sei krank und dass sie eine Woche bleiben müsse. Als sie nach zwei Wochen immer noch nicht wieder da war, begann ich mir Sorgen zu machen. Auch ihr Handy war aus, also reiste ich nach Adana, um nach ihr zu suchen.“

Der mutmaßliche Täter erklärte, dass er die junge Frau in Adana getroffen hätte, wo sie ihm angeblich erzählte, dass sie ihr gemeinsames Baby im vierten Schwangerschaftsmonat abgetrieben hätte. „Sie sagte auch, dass sie jetzt in einer Beziehung mit einem Minibusfahrer sei. An den Rest kann ich mich nicht erinnern. Später erfuhr ich, dass ich sie getötet hatte (…).“ Mittlerweile bedauere er die Tat. Doch die Eltern des getöteten Mädchens sehen das anders. Ihrer Ansicht nach würde er über die Abtreibung lügen und reichten ebenfalls Klage ein. Um das Thema Abtreibung endgültig zu klären, ordnete das Gericht nun eine Autopsie an (der Ausschuss für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung des Europarats hatte sich kürzlich gegen ein Abtreibungsverbot ausgesprochen – mehr hier). Bulat wurde inzwischen nach Istanbul überstellt, wo er auf seine geistige Gesundheit untersucht werden soll.

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