EU grenzt die Türkei aus: Türken wollen keinen Beitritt mehr

Die meisten Türken haben keine Hoffnung mehr auf einen EU-Beitritt, dafür hat sich der ganze Beitrittsprozess mittlerweile zu lange hingezogen. Vor zehn Jahren sah das noch ganz anders aus. Zu Beginn der türkischen Reformpakete, die einen positiven Ausgang der Beitrittsverhandlungen sichern sollten, stand die türkische Bevölkerung der EU noch anders gegenüber. Doch die EU habe die Türkei ausgegrenzt, so die Meinung vieler Türken.

Die Türken sind immer weniger an einem Betritt der EU interessiert. Das lange Hinhalten und die Verzögerung der Gespräche hat offenbar zu einer breiteren Ablehnung geführt. Während 2002 76,35 Prozent wollten, dass die Türkei Mitglied der EU wird, wollen das zehn Jahre später nur noch 37,7 Prozent. Das hat das türkische Unternehmen Reise-Forschung (Gezici Arastirma Sirketi) in einer aktuellen Umfrage herausgefunden.

Im Juni wurden in 42 Provinzen insgesamt 4.860 Personen über 18 in face-to-face Interviews zu ihrer Meinung zur EU befragt. Zu früheren Befragungen haben sich dabei große Unterschiede ergeben. Nach vielen Reformen (die Türkei hatte sogar ein extra Ministeramt für EU-Fragen geschaffen – mehr hier), die die Chancen auf einen EU-Betritt erhöhen sollten, das aber nicht geschah, haben sich viele Türken allmählich auch selbst von der EU nach dem Motto „Wenn die EU nicht will, wollen wir erst recht nicht“ abgewendet (der bekannte Schriftsteller Orhan Pamuk ist sich sicher, dass die EU viele Herzen gebrochen hat – mehr hier).

Demnach antworteten 37,2 Prozent der Befragten, dass die neue Sicht der türkischen Bevölkerung an dem „von Zeit zu Zeit die Türkei ausgrenzenden Verhalten der EU“ liege. 29,8 Prozent sind dagegen der Meinung, dass unter Türken „der Glaube daran, dass die EU die Türkei als Mitglied akzeptiert, zurückgegangen ist“.

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