Einsatz gegen die PKK: Türkischer Soldat erhält keinen Veteranenstatus

Einem türkischen Soldaten, der bei einem Zusammenstoß mit der Terrororganisation PKK acht seiner Kameraden verloren hat, wurde wegen des dabei davongetragenen psychischen Traumas sein Veteranenstatus verweigert. Für den jungen Mann geht es um nicht weniger als die Existenz seiner gesamten Familie.

Seit den dramatischen Ereignissen während eines PKK-Angriffs ist Rıza Gül nicht mehr derselbe. (Foto: DTN)

Seit den dramatischen Ereignissen während eines PKK-Angriffs ist Rıza Gül nicht mehr derselbe. (Foto: DTN)

Wie türkische Medien derzeit berichten, wurden dem 26-jährigen Rıza Gül aus Iğdır, der seit 2006 beim Militär dient, anstelle von Veteranen-Leistungen lediglich eine Invalidenrente zugesprochen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied mit weitreichenden Folgen.

Doch was war eigentlich genau passiert? Gül war am Gendarmerieposten Kocatepe im Distrikt Pülümür von Tunceli stationiert als dieser 2007 von der PKK attackiert wurde (die kurdische Abgeordnete Aysel Tuğluk wurde wegen PKK-Propaganda zu 14.5 Jahren Haft verurteilt – mehr hier). Acht seiner Kameraden, die ebenfalls auf diesem Außenposten saßen, wurden bei dem Angriff getötet. Viele weitere wurden verletzt. Gül, der zum Zeitpunkt des Anschlags gerade einmal 20 Jahre alt war, überlebte seinerzeit unverletzt. Das dadurch entstandene Trauma, acht Freunde direkt vor seinen Augen zu verlieren, konnte er allerdings bis heute nicht verwinden (Anfang Januar mahnte Erdoğan Leyla Zana: “Ab in die Berge!” – mehr hier). Den Rest seiner Militärzeit verbrachte der junge Mann im psychiatrischen Krankenhaus von Elazığ. Dort wurde er vier Monate lang behandelt, bevor er ganz aus dem Militärdienst entlassen wurde.

Ehemaliger Soldat erkennt seine Angehörigen nicht mehr

Als Gül nach Hause zurückkehrte in sein Dorf  Yukarı Çiftlik war er nicht mehr derselbe. Er erkannte seine Familie, selbst seine zwei Kinder nicht. Das Elazığ Krankenhaus hatte bei ihm „Schizophrenie und den Verlust der geistigen Gesundheit“ diagnostiziert. In einem Bericht wurde der junge Mann darüber hinaus für arbeitsunfähig erklärt. Darauf hin beantragte die Familie für ihren Sohn den Veteranenstatus. Dieses Gesuch wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass Gül ja keine körperliche Verwundung davongetragen hätte. Stattdessen wurde ihm der Status als Invalide zugesprochen mit dem eine Zahlung von 1000 Lira alle drei Monate verbunden ist.

Seine Frau Gül Gül berichtet unterdessen von dem Leid, mit dem sie nun tagtäglich zu kämpfen hätte: „Bevor er eingezogen wurde war er ein gesunder junger Mann. Dort begannen sie ihn zu traktieren. Sie erstellten einen Bericht über ihn, indem sie ihm den Verlust der psychischen Gesundheit attestierten. Immer noch erleidet er ständig Wut- und Angstanfälle. Er spricht nicht und lacht niemals. Ich bin mit meinen zwei Kindern  [Polat 7, und Yakup, 5] allein. Mein Land ist schuld, dass er seinen Geist verloren hat. Was muss er noch verlieren, um als Veteran anerkannt zu werden?“

Ähnliches berichtet auch der Onkel des ehemaligen Soldaten. Als er ihn aus dem Krankenhaus abholte, hätte der ihn nicht einmal erkannt. „Das hiesige Kommando verwies uns an das Militärkrankenhaus in Ağrı. Sie haben meinem Neffen einen Haufen Medikamente verabreicht. Aber besser wurde es nicht. Das Gouverneurbüro des Distrikts sicherte ihm eine Berufsunfähigkeitsrente zu. Dann gingen wir zum Brigadekommandanten von Iğdır, um den Papierkram zu erledigen und ihn als Veteranen anerkennen zu lassen. Sie erklärten, dass er einen Gesundheitsbericht bei Entlassung aus dem Dienst benötige. Keiner half uns. Jetzt, sagen sie, müssen wir vor Gericht gehen.“

Veteranenstatus bedeutet monatliche Unterstützung

Mit der Anerkennung eines Veteranenstatus würde sich die finanzielle Situation für Gül dramatisch verbessern. Künftig hätte er eine monatliche Unterstützung von  1,000 bis 1,500 Lira und würde verschiedene Vergünstigungen in vielen privaten und öffentlichen Stellen genießen, einschließlich der Sozialversicherungsanstalt (SGK), dem Bildungsministerium und bei den Türkischen Streitkräften (TSK).

Der Verlust der geistigen Gesundheit ist nichts anderes als der Verlust einer Extremität während des Krieges, so Güzelkaya Kamber, Leiter des Verbandes der Familien von Märtyrern und Kriegsveteranen in Iğdır. Güzelkaya, so berichten die türkischen Medien, hat der Familie rechtliche Hilfe angeboten, um Güls Veteranenstatus doch noch durchzusetzen.

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