Trauer in der Theaterwelt: Türkischer Dramatiker Güngör Dilmen ist tot

Der türkische Dramatiker und Bühnenautor Güngör Dilmen ist am vergangenen Sonntag im Alter von 82 Jahren verstorben. Dilmen, der einem breiten Publikum vor allem mit seinem Debüt „Midas’ın Kulakları“ in Erinnerung geblieben ist, wird an diesem Dienstag in İzmir beigesetzt.

Dilmen verstarb türkischen Medienberichten zufolge am vergangenen Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr auf der Intensivstation eines Privatkrankenhauses in İzmir, wo er in den vergangenen Wochen wegen einer nicht näher spezifizierten Darmerkrankung behandelt wurde (hier soll ein Zentrum für Kreative entstehen – mehr hier). Sein Tod kam nur eine Woche, nachdem in den Sozialen Medien der Türkei bereits Gerüchte über sein Ableben kursierten, während der bekannte Autor allerdings noch um sein Leben kämpfte.

1930 in der thrakischen Provinz Tekirdag geboren, begann Dilmens Streifzug durch die Theaterwelt im Jahr 1959 mit seinem bis heute verehrten Stück „Midas’ın Kulakları“, das auf dem bekannten phrygischen Mythos über König Midas basiert. Mit diesem Einakter gewann er im gleichen Jahr einen landesweiten Wettbewerb für neue Theaterstücke einer türkischen Theaterzeitschrift. Der Anfang war gemacht. Von da an ging es stetig bergauf und Dilmen wurde zu einer der einflussreichsten Figuren des modernen türkischen Theaterrepertoires, dessen Stücke auf zahlreichen staatlichen Bühnen, vor allem in Ankara, aber auch international zu sehen waren (der Broadway zieht nun auch in Istanbul ein – mehr hier).

Theater-Studien in den USA, Israel und Griechenland

Im Zuge seines Erfolges mit „Midas’ın Kulakları“ machte sich Dilmen, übrigens Absolvent der Istanbuler Universität, Institut für Klassische Philologie, auf, um in Israel und Griechenland Theaterwissenschaften zu studieren. Von 1961 bis 1964 studierte zudem an den berühmten Yale und der Washington University in den USA. Nach seiner Rückkehr in die Türkei begann Dilmen mit seiner Arbeit als Regieassistent und Dramaturg am Stadttheater Istanbul. Daneben übte er eine Lehrtätigkeit in der Theater-Abteilung des Staatlichen Konservatoriums der Universität in Istanbul aus.

Im Laufe seiner Karriere verfasste Dilmen mehr als 15 Stücke und mehrere Drehbücher. Darunter die ebenfalls sehr bekannte Geschichte „Deli Dumrul“, die auf einer türkischen Legende gleichen Namens beruht, die Teil der epischen Geschichten im „Buch des Dede Korkut“ ist. Aber auch Stücke wie „Hasan Sabbah“, das die Lebensgeschichte des muslimischen Missionars Hassan-i Sabbāh aus dem 11. Jahrhundert erzählt oder „Ben Anadolu“, ein Blick auf Frauen in der Geschichte Anatoliens, das unter anderem ins Deutsche, Englische, Französische und Italienische übersetzt wurde.

Dilmen: Unübertroffene Meisterwerke für die türkische Kultur

Kultur und Tourismusminister Ertuğrul Günay erwies dem Verstorbenen am vergangenen Montag in einer schriftlichen Erklärung seine letzte Ehre. Dilmen, so schreibt er, würde „immer in Erinnerung bleiben … für die unübertroffene Meisterwerke mit denen [er] zur [türkischen] Kultur beigetragen hat“.

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