Human Rights Watch: Griechische Polizei ignoriert zunehmende Attacken gegen Migranten

Regelmäßig werden Einwanderer von griechischen Banden angegriffen. Ihre Taten bleiben jedoch ungestraft. Die Behörden ignorieren die Vergehen oder entmutigen die Opfer gar, eine Beschwerde einzureichen. Zu dieser Einschätzung kommt Human Rights Watch in einem an diesem Dienstag veröffentlichten Bericht.

Für illegale Migranten aus Asien und Afrika ist Griechenland eines der wichtigsten Tore, um in die Europäische Union zu gelangen. Jetzt, da die Nation in ihrer schlimmsten ökonomischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg steckt, ist illegwale Einwanderung zu einem zentralen Streitpunkt des Landes geworden. Fünf Jahre Rezession und Arbeitslosigkeit auf einem Rekordhoch haben die Anti-Einwanderer-Stimmung angeheizt (die Türkei kann einen Griechenland-Austritt verkraften – mehr hier). Migranten wird nun nicht nur die Schuld an einer steigenden Kriminalitätsrate gegeben, sondern auch vorgeworfen, sich an einem immer weiter schrumpfenden Pott an staatlichen Zuschüssen und Dienstleistungen zu bedienen.

Griechenland: Touristen willkommen, Migranten nicht

„Migranten und Asylsuchende sprachen mit Human Rights Watch über nächtliche No-Go Areas in Athen, die aus Angst vor Angriffen von oftmals schwarz gekleideten Gruppen, bestehend aus Griechen, herrühren, die auf Gewalt aus sind“, klärt der Bericht über die Situation auf (erst kürzlich musste sich das griechische Militär zu Theorien über Chemtrails äußern – mehr hier). „Während die Touristen willkommen sind, stehen Migranten und Asylsuchende einer feindliche Umgebung gegegnüber, wo sie unter unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen in Haft geraten können, Armut und fremdenfeindliche Gewalt riskieren.“

Laut Human Rights Watch ist das tatsächliche Ausmaß fremdenfeindlicher Gewalt in Griechenland noch gar nicht genau erfasst, da viele Opfer die Taten nicht einmal melden würden. Staatliche Statistiken seien zudem äußerst unzuverlässig (vor einiger Zeit hat ein Deutscher einen illegalen Einwanderer im Koffer versteckt – mehr hier). Insgesamt wurden 59 Personen befragt, die zwischen  August 2009 und Mai dieses Jahres einen rassistischen Vorfall erlitten oder diesem entgehen konnten. Darunter befanden sich 51 ernsthafte Übergriffe. Zwei Opfer waren schwangere Frauen.

Steckt die griechische Partei Golden Dawn dahinter?

Die meisten Angriffe hätten in der Nacht stattgefunden oder in der Nähe von öffentlichen Plätzen in Städten. Sie wurden von schwarz gekleideten Gruppen begangen, die ihre Gesichter mit Tüchern oder Helmen verbargen. Die Täter, so heißt es weiter, seien dafür bekannt die Leute zu verprügeln, indem sie Bierflaschen oder auch ihre bloßen Fäuste einsetzten.

Die Opfer wiederum gaben an, dass die Polizei sie entmutigt hätte Anzeige zu erstatten. Einige seien sogar gewarnt worden, dass sie festgenommen würden, falls sie auf eine Untersuchung bestehen würden. Viele von ihnen gaben auf, nachdem ihnen erklärt wurde, dass polizeiliche Ermittlungen quasi aussichtslos seien, da sie die Täter ja nicht identifizeren könnten. Wie Human Rights Watch weiter ausführt, gebe es Hinweise darauf, dass die Täter Mitglieder in lokalen Bürgerwehren oder gar von Golden Dawn, einer neonazistischen griechischen Partei, seien. Zwar gäbe es keine direkten Beweise dafür, dass die Übergriffe von der Partei ausgehen. Doch Mitglieder waren bereits in ähnliche Vorfälle verwickelt. Auch geheime Absprachen zwischen der Polizei und ihnen soll es angeblich geben. Golden Dawn selbst, die damit wirbt, Griechenland von allen Einwanderern zu befreien, bestreitet die gegen sie erhobenen Vorwürfe.

Hier geht es direkt zum Bericht von Human Rights Watch.

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