Greenpeace Umfrage: Genfood kommt für türkische Verbraucher nicht in Frage

Gut 83 Prozent der türkischen Bevölkerung möchte keine gentechnisch veränderten Lebensmittel zu sich nehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Umweltorganisation Greenpeace durchgeführte Umfrage unter 4,860 Personen. Darüber hinaus verfügten etwa 82.3 Prozent der Befragten hinsichtlich gentechnisch veränderter Lebensmittel über gewisse Kenntnisse.

Genfood wie diese so genannten Nashi-Birnen, eine Kreuzung aus Äpfeln und Birnen, kommen der Mehrzeit der türkischen Verbraucher nicht auf den Tisch. (Foto: amateurfunker/flickr)

Genfood wie diese so genannten Nashi-Birnen, eine Kreuzung aus Äpfeln und Birnen, kommen der Mehrzeit der türkischen Verbraucher nicht auf den Tisch. (Foto: amateurfunker/flickr)

Nejat Dinç, Leiter der „Greek Mediterranean Agricultural Campaign“ (Griechisch-Mediterrane Landwirtschafts-Kampagne), erklärte gegenüber der Radikal, dass sich türkische Konsumenten, trotz eines verbreiteten Vorurteils, gut mit so genanntem Genfood auskennen würden.

Nahezu 80 Prozent der Umfrageteilnehmer erklärten, dass ihr Vertrauen in ein Lebensmittel produzierendes Unternehmen erlösche, würde dieses gentechnisch veränderte Produkte verwenden, während 60 Prozent der befragten Teilnehmer angaben, derartige GM-Erzeugnisse gar nicht erst zu kaufen.

Verbraucher fordern Kennzeichnung für GM-Lebensmittel

Gefragt wurde in der Greenpeace-Umfrage, die in insgesamt 42 türkischen Provinzen durchgeführt wurde, sowohl nach direkt veränderten Lebensmitteln, welche in der Türkei verboten sind, als auch nach Produkten von Tieren, die zuvor mit gentechnisch verändertem Futter aufgezogen wurden. Derzeit arbeitet das türkische Landwirtschaftsministerium an einem Kennzeichnungssystem für Lebensmittel, die von GM gefütterten Tieren stammen.

Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, dass dieser Schritt ihre Einstellung hinsichtlich der “Aufrichtigkeit der Regierung in puncto Ernährungssicherheit” verbessern würde (die Türkei möchte nach dem Vorbild der EU die Nahrungsmittelsicherheit stärker überwachen, mehr hier). Bereits im vergangenen April hatte Landwirschaftsminister Mehdi Eker grünes Licht für eine solche Kennzeichnungspflicht von aus Tieren hergestellten Produkten, die mit genmanipuliertem Futter wie Mais und Soja gefüttert wurden, gegeben. Damals kommentierte Nejat Dinç: “Bis heute gab es keine Kennzeichnung von tierischen Lebensmitteln die unter Verwendung genmanipulierter Futtermittel hergestellt wurden, was den Verbrauchern keine Wahl ließ. Mit dieser Ankündigung hat unser Minister nicht nur eine Gesetzeslücke gefüllt, sondern auch unsere Führungsrolle in der Region und der Europäischen Union demonstriert.”

Vertrauen in Landwirtschaftsminister Mehdi Eker gering

Die aktuelle Umfrage hat nun gezeigt, dass die Bürger “eine entsprechende Kennzeichnung auf Fleisch, Milch und Eiern von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Produkten gefüttert wurden”, fordern, so Dinç weiter. Die Zahlen zeigen, dass damit auch das Vertrauen in Landwirtschaftsminister Mehdi Eker selbst steigen würde. Allerdings gaben auch 72.8 Prozent der Befragten an, dass sie mit den aktuellen Kontrollen  gentechnisch veränderter Lebensmittel alles andere als zufrieden seien. “Der Mangel an Kontrollen durch offizielle Institutionen ist eine tief blutende Wunde. Dies gilt auch für die Lebensmittelindustrie und hier ist die Situation noch schlimmer. Dementsprechend ist das Vertrauen in die Lebensmittel ebenso gering wie in die Kontrollen, die der Landwirtschaftsminister hinsichtlich Genfood implementiert. Man fragt sich, ob er dazu überhaupt in der Lage ist”, so Dinç, der darauf hinweist, dass es nicht möglich ist, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu kontrollieren, wenn sie einmal im System sind, abschließend (Greenpeace-Vorwürfe in Bezug auf belastetes Obst und Gemüse wies der Minister vor einigen Monaten zurück – mehr hier).

Günstige Produkte um jeden Preis, das rächt sich, warnte auch der Vorsitzende der Istanbuler Lebensmittelhersteller Vereinigung (İYSAD), Sadık Çelik, bereits im vergangenen März dieses Jahres. Die Verbraucher sollten dringend ihre Gesundheit über die Schnäppchenjagd stellen und vor allem auf gefälschte Produkte achten. Türkische Konsumenten, so stellte er heraus, sollten eine aktivere Rolle dabei spielen, skrupellose Lebensmittelproduzenten daran zu hindern, bei ihren Produkten zu mogeln.

Untersuchung von Produkten und Betrieben um 900 % gestiegen

Wie das türkische Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft in diesem Zusammenhang mitteilte, seien in den vergangenen zehn Jahren die Untersuchungen von Lebensmitteln und Betrieben um 900 Prozent gestiegen (das Land wurde bereits durch einige Lebensmittelskandale erschüttert – mehr hier). Wie aus den Daten des Ministeriums hervorgeht, wurden 2002 39,646 Produkte geprüft. Im Jahr 2011 waren es dann schon ganze 400,435. Allein von Januar bis März dieses Jahres gab es 83,000 Untersuchungen von Lebensmittelherstellern. Diejenigen, die gegen die Lebensmittelbestimmungen verstoßen haben, mussten 2,564 Lira Strafe zahlen. Gegen 44 Betriebe wurde sogar Anklage erhoben. Im vergangenen Jahr landeten 329 Produzenten wegen Lebensmittel-Verstößen vor Gericht.

Hier geht es zur Greenpeace-Umfrage.

Mehr zum Thema:

Lebensmittel-Imitate: Türkische Verbraucher müssen bewusster einkaufen
Fett, Salz und Rauchen: Türken leben zu ungesund
Aprikosen aus Malatya: Sie sind die ersten zertifizierten Früchte der Türkei

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.