Angezeigt wegen Beschneidung: Unbekannter greift SPD-Integrationsrats-Mitglied an

Eine türkischstämmige Mutter hatte erklärt, ihren Sohn im Türkei-Urlaub beschneiden zu lassen. Kurz darauf ging bei der Staatsanwaltschaft in Köln eine Anzeige ein - per SMS.

Trotz des Urteils des Landgerichts Köln, dass Beschneidung als Körperverletzung betrachtet (hier), wollen viele nicht darauf verzichten. Gonca Mucuk, Integrationsrats-Mitglied der SPD in Köln, verkündete deshalb, sie wolle ihren jüngsten Sohn im Urlaub in der Türkei beschneiden lassen.

„Wenn die Gesetze in Deutschland gegen unsere Beschneidungs-Tradition sind, dann werde ich meinen Sohn Janbek im Sommerurlaub in der Türkei beschneiden lassen. Später werden wir das dann in Deutschland feiern“, erklärte Gonca Mucuk. An die Beschneidung schließt sich im türkischen Kulturkreis eine große Feier mit Geschenken an den Beschnittenen an. Ihr älterer zwölfjähriger Sohn wurde bereits in Deutschland beschnitten. Bei dem sechsjährigen Janbek geht das nun nicht mehr.

Ein Unbekannter hatte daraufhin per SMS, wie Mucuk der Europa-Ausgabe der Hürriyet sagt, Anzeige erstattet. „In der SMS hat derjenige behauptet, ich verletzte das Persönlichkeitsrecht meines Sohnes und zeigte mich bei der Staatsanwaltschaft, der Polizei und beim Jugendamt an. Die Beschneidung gehöre einer vergangenen Zeit an und passe nicht ins Heute. Mein Sohn solle mit 16 seine Religion selbst wählen dürfen und dann auch entscheiden, ob er beschnitten werden wolle oder nicht. Dann frage ich diese Menschen: Wenn es um das Einverständnis des Kindes geht, warum werden dann christliche Kinder in der Kirche getauft?“, so Mucuk (Juden und Muslime wollen gemeinsam gegen das Urteil vorgehen – mehr hier).

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