Falscher Sponsor? Istanbuls größtes Rockfestival in Gefahr

Das bekannte „Efes Pilsen One Love Festival“ in Istanbul ist ins Visier eines türkischen Vereins zur Bekämpfung von Drogenmissbrauch und Alkoholismus geraten. Dieser hat eine Kampagne gestartet, mit dem Ziel, eines der größten Rockfestivals der Türkei abzusagen. Der Grund: Es wird von Efes Pilsen gesponsert.

Die Vereinigung Türkischer grüner Halbmond (Yeşilay) hat sich an das Gouverneursamt von Istanbul gewandt, um die Absage des „Efes Pilsen One Love Festival“, das am 14. und 15. Juli auf dem Campus der Bilgi Universität im Istanbuler Distrikt Eyüp stattfinden soll, zu erwirken.

„Hersteller alkoholischer Getränke zielen auf unsere Jugend ab und versuchen mit solchen Veranstaltungen neue Alkoholkonsumenten zu gewinnen“, so der Chef der Vereinigung, Muharrem Balcı, in einer schriftlichen Erklärung vom 10. Juli. Nach Ansicht von Balcı sei das Sponsoring solcher Veranstaltung durch diese Unternehmen illegal, weshalb man nun um die Absage des Festivals ersucht hätte.

Yeşilay richtet Gesuch an Istanbuler Gouverneur

„Dieses Festival hat seinen Namen von einer Alkoholmarke. Das ist völlig gegen das Gesetz. Solche Veranstaltungen gewöhnen die Jugendlichen ans Biertrinken. Wir haben unsere Warnungen ausgesprochen und eine Petition an den Gouverneur gesandt. Von jetzt an ist das Istanbuler Gouverneursamt für das Thema verantwortlich“, so Balcı, der klarstellt: „Wir haben nichts dagegen, dass junge Menschen Musik hören. Die universale Sprache der Musik hat sicherlich positive Effekte auf sie.“ Doch eigentlich würde er am liebsten noch viel weiter gehen. Balcı, der bekannt ist für seinen Kampf gegen alkoholische Getränke und gegen das Rauchen ist (laut OECD gehören die Türken zu den Top Five der weltweiten Qualmer – mehr hier), vertritt die Ansicht, dass eigentlich auch auf dem Festivalgelände nichts verkauft werden dürfe, was mit der Marke in Verbindung stünde.

Ganz Unrecht hat die Vereinigung mit ihrem Anliegen – zumindest bezüglich des Namens – nicht: Wie die türkischen Medien ausführen, können laut einer aktuellen Regelung der türkischen Tabak und Alkohol Regulierungsbehörde (TAPDK) Hersteller von Alkoholika solche Festivals und andere Veranstaltungen zwar durchaus sponsern, aber solange deren Namen nicht im Festivaltitel auftauchen (doch auch andere Festivals halten sich nicht daran – mehr hier).

Festivalorganisatoren halten an Zeitplan fest

Im Gouverneursamt scheint die Bitte von Balcı und Co. allerdings noch nicht wahrgenommen worden zu sein. Wie Vize-Gouverneur Ali Bakoğlu gegenüber den türkischen Medien erklärt, sei bisher nichts bei ihnen eingegangen. Die Organisatoren des Festivals, zu dem bis zu 20.000 Besucher erwartet werden, geben sich derweil zuversichtlich: So ist Nihan Çağlayan von der veranstaltenden Firma Excel Communications sicher, dass das Festival wie geplant über die Bühne gehe. „Wir haben in unserem Zeitplan nichts verändert und planen das auch nicht.“

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