Istanbul versinkt im Verkehrschaos: Bürgermeister Topbaş macht Urlaub

Der Istanbuler Bürgermeister Kadir Topbaş dürfte in der Millionenstadt derzeit für einiges Stirnrunzeln sorgen. Während die Pendler in der Megacity unter dem anhaltenden Verkehrschaos ächzen, wurde er beim Tanzen im fernen Artvin photographiert.

Topbaş, so heißt es derzeit in den türkischen Medien, habe sich in seine Heimatgemeinde in der Schwarzenmeer-Provinz zurückgezogen, um dort dem Stress seines Amtes zu entfliehen. „Ich versuche jedes Jahr hierher zu kommen. Die Einheimischen hier sind sehr freundlich und liebevoll zu mir. Ich danke ihnen allen“, so der Großstadt-Bürgermeister. Obschon ihm der Urlaub gegönnt sei, reagierten nun jedoch nicht wenige erbost, als in der türkischen Presse ein Photo auftauchte, das ihr Stadtoberhaupt beim vergnüten Horon, einem Volkstanz, zeigte, während zuhause der Verkehr im Chaos versinkt.

Verkehrschaos: Behörden haben keinen Aktionsplan

Istanbuls ohnehin schon angespannte Verkehrssituation hat sich in den letzten Tagen durch notwendige Reparaturmaßnahmen noch zusätzlich verschärft. So blieben etwa am 11. Juli Tausende Autofahrer auf der Fatih Sultan Mehmet Brücke im Stau stecken, nachdem drei zusätzliche Fahrspuren wegen Wartungsarbeiten geschlossen wurden.

Obendrein erklärten Beamte der Istanbuler Kommunalverwaltung und der Generaldirektion für Fernstraßen inzwischen, dass es keinen konkreten Aktionsplan gebe, wie man dem Verkehrschaos auf der Brücke Herr werden solle (für Chaos sorgte auch der jüngste James Bond Dreh – mehr hier).

Derzeit staut sich der Verkehr auf der Brücke gleich für mehrere Kilometer, was zu teils ungewöhnlichen Szenen führt. So haben sich gleich Dutzende Stauopfer beim Istanbuler Verkehrsradio, der ersten Radiostation Istanbuls, die die Fahrer mit aktuellen Verkehrsinformationen versorgt, um genau solche Ballungen zu vermeiden, gemeldet und um „sofortige Hilfe“ gebeten. Sie sagten, dass „sofort Wasser und tragbare Toiletten“ benötigt würden. Andere hingegen nutzten die Zwangspause für ein Fußballspiel.

Die Wartungsarbeiten an der Brücke begannen bereits am 18. Juni mit der Schließung von zwei der insgesamt acht Fahrspuren. Seitdem sind lange Staus und stundenlanges stecken im Verkehr für die Istanbuler Bevölkerung zur täglichen Routine geworden. Vor einigen Tagen schloss die Generaldirektion dann weitere drei Spuren. Die Folge: Der Frust schwillt weiter an (jeden Tag werden in Istanbul über 800 neue Fahrzeuge zugelassen – mehr hier).

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