Industrieminister Nihat Ergün: Türkische Wissenschaftler zurück in die Heimat!

In den letzten Jahrzehnten hat die Türkei durch Abwanderung eine Menge an wertvollem Humankapital verloren. Wenn es nach Industrieminister Nihat Ergün geht, soll sich das nun ändern. Er will vor allem türkische Wissenschaftler und qualifizierte Personen mit technischen Fähigkeiten zu einer Rückkehr in die alte Heimat bewegen.

Industrieminister Ergün sprach am vergangenen Donnerstag auf einem Kongress der türkischen Wissenschaftler im Ausland des Wissenschafts- und Technologieforschungsrat der Türkei (TÜBITAK). Im Fokus der Zusammenkunft standen die jüngsten Entwicklungen in Sachen Forschung und Entwicklung sowie Fortschritte in der Technologie.

Akademiker im Ausland:  Die Türkei hat sich massiv verändert

Laut Ergün hat das türkische Exportvolumen, das vor zehn Jahren noch bei 36 Milliarden Dollar lag, im Jahr 2012 140 Milliarden US-Dollar erreicht. Damit habe sich die Türkei in der Rangliste der Volkswirtschaften der Welt von Platz 26 auf Rang 16 vorgeschoben (der türkischen Koç Holding gelang in den Global 500 in den letzten zwei Jahren eine rasante Entwicklung – mehr hier). Diese Entwicklung bezeichnete er zwar als positiv, reiche allerdings noch nicht aus: „Die Türkei ist kein Land mehr, in dem es Coups gibt und aus dem Menschen fliehen. Wir wollen, dass türkische Wissenschaftler zurück in unser Land kommen. Falls sie eine Rückkehr planen, dann sollten sie wissen, dass die Türkei nicht mehr das Land ist, das sie einst kannten.“

Mit seiner Einladung, so gestand er selbst, befinde er sich allerdings nicht vollends auf einer Linie mit der Regierung. Diese, so eklärte er, sehe das Konzept der „Abwanderung“ mittlerweile als veraltet an. Die Flucht von Humankapital wird hier als „Intelligenz“ gesehen, die der Türkei eher zuträglich sei. Hierzu führt Ergün aus: „Ganz gleich wie sehr wir zu erklären versuchen, wie schön unser Land ist, wir können es nicht so gut wie unsere Wissenschaftler und Unternehmer im Ausland. Aus diesem Grund ist jeder Bürger, der im Ausland als Lehrer arbeitet oder sich dort in einer Ausbildung befindet ‚Intelligenz‘ für uns.“ (auch Deutsche zieht es zum Arbeiten in die Türkei – mehr hier)

In seiner Rede erinnerte der Minister auch an die 1,402 Akademiker, die im Zuge des Staatstreiches vom 12. September 1980 aus der Wissenschaft verdrängt wurden. Einige von ihnen mussten damals das Land verlassen und diejenigen, die geblieben seien, hätten in der Türkei keine dauerhafte Anstellung an einer türkischen Universität gefunden. Seither habe die Regierung versucht die Türkei in ein politisch stabiles und demokratisches Land zu verwandeln. Mit dem Ergebnis, dass das Humankapital mittlerweile wieder zurückkehren würde.

Die Türkei braucht mehr akademischen Nachwuchs

Wie wichtig das für die Türkei sei und welchen Wert das Land den Themen Forschung und Entwicklung mittlerweile beimisst, dazu äußerte sich auch TÜBİTAK-Präsident Yücel Altunbaşak. Das Land stelle nun das 60-fache seiner Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Zahl der türkischen Wissenschaftler in den letzten zehn Jahren von 20.000 auf 64.000 angewachsen. Doch obgleich das eine sehr schöne Zahl sei, sei sie keineswegs ausreichend. Ganz im Gegenteil sei sie nicht das Ziel, das man sich erhofft habe. „Die Türkei braucht 250,000 Forscher“, macht Altunbaşak den anhaltenden Mangel deutlich (Für mehr türkische Forschung will die Türkei bis zu 20 Millionen Dollar an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) spenden – mehr hier).

Altunbaşak verwies auf den Boom des chinesischen Technologie-Sektors in den 90er Jahren. Dieser sei sicherlich dadurch zu erklären, dass zu jener Zeit eine Menge chinesische Studentinnen und Studenten, die ihren Abschluss in den USA gemacht hätten, zurück gekommen wären. „Wir wissen nicht, ob das der wirkliche Grund dafür ist, aber ich glaube an dieser Erklärung hängt ein bisschen Wahrheit dran.“ (in der türkischen Wissenschaftsszene herrscht noch keine Gleichstellung der Geschlechter – mehr hier)

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