Kluger Anreiz: Türkisches Café serviert Freigetränke für Leseratten

Ein Café im Südosten der Türkei will etwas gegen die mangelnde Leselust der Bürgerinnen und Bürger im Land unternehmen. Das Haus lockt seine Kunden mit Freigetränken, wenn diese im Gegenzug ein Buch zur Hand nehmen.

Das Café in Kahramanmaraş beteiligt sich mit seiner einladenden Aktion an der Kampagne „Die Türkei liest. Die Idee: Diejenigen, die sich hier zum Schmökern niederlassen, bekommen kostenlosen Tee oder Kaffee serviert.

Doch damit soll sich das Anreizsystem in dem erst zwei Jahre alten Café noch nicht erschöpfen. An zuvor festgelegten Tagen kommen Literaturfreunde und solche, die es werden wollen, zusammen, um gemeinsam über Kultur, Kunst und Literatur zu sprechen. Daneben gibt es spezielle Lesestunden für Studenten, um das „Kaffeehaus“-Konzept lebendig zu halten. Ebenfalls eine schöne Idee: An den so genannten „Vorlese-Tagen“ erhalten all jene, die aus einem Buch laut vorlesen, Werke, die sie behalten dürfen (in İzmir soll sogar ein Zentrum für kreative Kräfte entstehen – mehr hier)

Bücher gehören in der Türkei nicht zum Alltag

Wie notwendig Aktionen dieser Art sind, das zeigte eine erst im vergangenen Februar veröffentlichte Statistik. Die Gewerkschaft der Demokratischen Pädagogen (DES) brachte damals mit ihrem Bericht zu den Lesegewohnheiten in der Türkei erschreckende Zahlen heraus. Demnach liege eine türkische Wissensgesellschaft noch in weiter Ferne. Lesen ist immer noch nicht fester Bestandteil des Alltags. Als alltäglicher Gebrauchsgegenstand stünden Bücher in der Türkei, nach Angaben der DES, sogar erst an 235. Stelle. Vor allem türkische Schülerinnen und Schüler haben mit dem Lesen Probleme. In Sachen Leseverständnis landeten sie in der Pisastudie 2009 auf Platz 41.

Ein Umstand, der nicht von Ungefähr kommt. Laut DES verbringen die Türken jährlich nur etwa sechs Stunden mit dem Lesen eines Buches. Nur einer von Tausend greift überhaupt zum Buch. Gelesen wird im Schnitt etwa eines in ganzen zehn Jahren und Bibliotheken sind zudem nur sehr wenig verbreitet (die andere Seite der Medaille sind hohe Kosten für Bücher – mehr hier).

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