Arabischer Frühling: Mutter von Mohamed Bouazizi ins Gefängnis gesteckt

Drohen in Tunesien neue Unruhen? Die Mutter von Mohamed Bouazizi, der gemeinhin als Auslöser für den „Arabischen Frühling“ angesehen wird, ist wegen Beamtenbeleidigung verhaftet worden. Das gab das tunesische Justizministerium am Wochenende bekannt.

Die 60-jährige Manoubia Bouazizi wurde bereits am vergangenen Freitag, den 13. Juli, verhaftet, weil sie einen Mitarbeiter des Gerichts in der zentralwestlichen Stadt Sidi Bouzid verbal angegriffen haben soll. Darauf hin wurde sie Medienberichten zufolge in eine Haftanstalt in der Nähe von Gafsa verbracht. Noch an diesem Montag soll sie einem Richter vorgeführt werden.

Salem Bouazizi: Behörden haben keinen Respekt

Mittlerweile soll Mohameds Bruder Salem Bouazizi damit gedroht haben, dass die Situation eskalieren würde, wenn seine Mutter nicht umgehend wieder freigelassen würde (Jackson Diehl von der Washington Post sagt: die Welt muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass nicht mehr pro-amerikanische Führer die Länder des Nahen Ostens regieren – mehr hier). Salem erklärte weiter, dass sich seine Mutter mit einem Angestellten des Gerichts, nicht mit dem Richter, angelegt hätte. Er habe sie in Verlegenheit gebracht und sie in Richtung Ausgang geschoben. Dann sei die Lage eskaliert und die beiden hätten sich Beleidigungen an den Kopf geworfen. „Meine Mutter wurde gedemütigt. Die Behörden müssen lernen, Menschen zu respektieren. Wir werden nicht zulassen, dass das so weiter geht.“

Laut Salem Bouazizi war seine Mutter bei Gericht, um dort Dokumente zu unterzeichnen, die ihr eine Entschädigung fürden Tod ihres Sohnes als „Märtyrer der Revolution“ zugebilligt hätten. Der Arabische Frühling in Tunesien nahm am 17. Dezember 2010 seinen Anfang als ihr 26-jähriger Sohn Mohamed, seines Zeichens Gemüsehändler, sich selbst in Brand steckte. Hintergrund seiner Selbsttötung war die mehrfache Schließung seines Gemüsestands, mit dem er seine Familie ernährte, wegen einer fehlenden Genehmigung. Auch seine Waren und seine Waage wurden beschlagnahmt. Seine Beschwerden blieben darauf hin ungehört. Ganz im Gegenteil wurde er auf der Polizeiwache auch noch misshandelt. Seine Tat gilt nicht nur als Auslöser der Ereignisse in Tunesien, sondern regte zahlreiche Nachhamer auch in anderen Ländern an (für die türkische Exportwirtschaft ergaben sich spürbare Folgen – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Yale Professor: Der Westen ignoriert wesentliche Aspekte des Arabischen Frühlings
Arabischer Frühling: Spürbare Folgen für türkische Exportwirtschaft
Vorbild Türkei: Die arabische Welt braucht Atatürk + Erdoğan

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.