Olympia 2012: Türkische Athleten wollen eine „ganze Generation inspirieren“

Noch knapp zwei Wochen, dann öffnen die Olympischen Sommerspiele in London ihre Pforten. Die Türkei ist in diesem Jahr mit einer Rekordzahl an Athletinnen und Athleten vertreten. Die Hoffnung ist entsprechend groß, dass der türkische Medaillenregen in diesem Jahr größer als sonst ausfallen und künftig eine ganze Generation inspirieren wird.

Ab 27. Juli heißt es Daumen drücken für die türkischen Sportlerinnen und Sportler. (Foto: DTN)

Ab 27. Juli heißt es Daumen drücken für die türkischen Sportlerinnen und Sportler. (Foto: DTN)

Während der Olympischen Sommerspiele vom 27. Juli bis zum 12. August dieses Jahres werden ganze 114 türkische Sportlerinnen und Sportler mit von der Partie sein. Zum Vergleich: Bei den Spielen in Beijing vor vier Jahren waren es nur 67 Athletinnen und Athleten. Darüber hinaus gibt es einen weiteren, spannenden Umstand. Denn in diesem Jahr gibt es nicht nur mehr Sportler. Insgesamt haben die türkischen Damen mit 66 zu 48 die Nase vorn. Doch das ist nur ein Umstand in einer langen Liste von Anzeichen, die verdeutlichen, auf welchem vielversprechenden Weg sich der türkische Sport derzeit befindet.

Das sind wirklich gute Nachrichten, findet auch der türkische Jugend- und Sportminister Suat Kılıç. „Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London nehmen wir an der größten Anzahl an Wettbewerben in unserer 88-jährigen Teilnehmergeschichte teil. (…) 2008 gingen wir in Beijing mit 20 Athletinnen an den Start. Das haben wir verdreifacht. Ein halbes Jahrhundert lang haben wir nicht an Mannschaftssportarten teilgenommen. Doch dieses Jahr entsenden wir Teams.“

Erstmals Basketball und 4×400-m-Staffel der Frauen dabei

Die euphorische Sicht im Vorfeld der Spiele wird auch von Mehmet Terzi, Vorsitzender der Türkischen Leichtathletik-Verbandes, geteilt. Darüber hinaus erwähnt er eine weitere türkische Premiere während der wichtigsten Wettkämpfe der Welt: „Wir haben die Ehre erstmals mit einer 4×400-m-Staffel der Frauen vertreten zu sein. Das macht uns unsagbar stolz. Und so Gott will, werden Medaillen folgen.“ Dies ist das erste Mal in der Geschichte, dass die Türkei an den olympischen Staffel-Wettkämpfen teilnimmt. Pınar Saka, Meliz Redif, Merve Aydın, Birsen Engin und Nagihan Karadere heißen die  fünf bahnbrechenden Athletinnen, aus denen die erste türkische Olympische 4×400-m-Staffel der Frauen besteht. Auch die türkische Damen-Basketball-Nationalmannschaft ist erstmals in der Geschichte mit dabei (für die erste Überraschung dieser Art sorgten allerdings die Volleyballerinnen – mehr hier).

Doch nicht nur die türkischen Athletinnen oder Mannschaftssportlerinnen sind herausragend. Die Türkei hat auch Talente wie die Weltklasse-Seglerin Nazlı Çağla Dönertaş, die bei den Europameisterschaften in der Segelklasse „Laser-Radial“ in Frankreich kürzlich den dritten Platz erreichte. Zu ihrem jüngsten Erfolg und ihren Hoffnungen für die kommende Wettkämpfe erklärte sie: „Den dritten Platz in diesem wochenlangen Rennen gegen 79 Athleten aus 22 Ländern zu erreichen hat mir viel Motivation gegeben.“ Auch sie hofft, ihrem Land weitere Premieren zu bescheren und die Türkei bei ihrer ersten Teilnahme an Olympischen Spielen unter die Top Ten der Spiele zu bringen.

Nach 40 Jahren Pause: Türkische Radfahrer gehen an den Start

Neben der höheren Anzahl an Frauen in diesem Jahr gibt es 2012 aber auch mehr Männer in mehr Sportarten zu bestaunen. Ein solches Beispiel ist etwa das Straßen-Radsport-Team bestehend aus Ahmet Akdilek, Kemal Küçükbay und Miraç Kal. Seit den Spielen in München im Jahr 1972 hat die Türkei an keinen Radsport-Wettkämpfen mehr teilgenommen. Auch das ist also eine Premiere nach 40 Jahren Abstinenz. Kein Wunder, dass der Chef des Türkischen Radsportverbandes, Emin Müftüoğlu, mächtig stolz auf seine Herren ist. So etwas, davon ist er überzeugt, geschieht nicht einfach aus Versehen. „Nach 40 Jahren Pause schicken wir drei Radfahrer ins Rennen. Das ist die maximale Anzahl an Teilnehmern. Wir haben etwas erreicht, zu dem wir 40 Jahre lang nicht in der Lage waren. Und das haben wir durch unsere harte Arbeit seit 2005 geschafft.“

Doch nicht alle Teilnehmer in London sind Newcomer. Die Türkei stellt selbstverständlich auch erfahrene Athleten wie etwa die Brüder Deniz und Ateş Çınar, die auch schon während der letzten Olympischen Spiele um eine Medaille segelten. Sie sind zuversichtlich, dass ihnen die Erfahrungen aus der Teilnahme 2008 diesmal zugute kommen werden. Dieses Jahr, so Deniz, wäre man auf jeden Fall besser vorbereitet und insgesamt positiver eingestellt. Die Lücke zu ihrer Konkurrenz hätte man geschlossen. Nun befände man sich sportlich auf Augenhöhe.

Türkei: Auch als Austragungsort erfolgreich

Ohnehin hat die Türkei in den vergangenen Jahren ein steigendes Interesse an verschiedenen sportlichen Veranstaltungen erfahren. Nicht nur Medaillenplatzierungen werden verfolgt, sondern auch Anstrengungen unternommen, um internationale Veranstaltungen auszutragen. Die Liste der türkischen Erfolge liest sich derzeit wie das Who is Who der sportlichen Events. Zuletzt gelang bei den Leichtathletik Europameisterschaften in Helsinki ein wahrer Medaillenregen. Das bisher beste türkische Ergebnis wurde dabei sogar noch verdoppelt. Und auch im Organisieren wird das Land immer besser: Das Vertrauen von FIBA, UEFA, Volleyball- oder Radfahrveranstaltern wächst. Für Nazlı İmre, Vorsitzender des Türkischen Segelverbands, liegt der Grund für diese Erfolge auf der Hand: „All diese Ziele zu erreichen ist das Ergebnis systematischer und geplanter Arbeit. Çağla ist ein Vorbild für unsere Athleten und ich glaube, dass wir mit einer stärkeren Beteiligung 2016 und 2020 noch größere Erfolge feiern können.“ (Istanbuls Chancen auf 2020 sind so groß wie nie – mehr hier)

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