Weg zur Arbeit: Syrische Zöllner wählen sichere Route durch die Türkei

Das anhaltende Chaos und die mangelnde Sicherheit in Syrien haben mittlerweile dazu geführt, dass auch syrische Regierungsbeamte Routen über die benachbarte Türkei wählen, um sicher an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.

Konkret geht es türkischen Medienberichten zufolge um Zollbeamte am Grenzübergang Bab al-Hawa, nahe dem türkischen Grenzübertritt Cilvegözü im Distrikt Reyhanlı in Hatay. Um sicher an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, wählen die dort ansässigen syrischen Zöllner die sichere Route über die Türkei.

Kämpfe zwischen Regimetreuen und Freier syrischer Armee

Während das Regime von Bashar al Assad weiterhin mit schwerem Gerät Angriffe auf Zivilisten verübt (gut 40.000 Flüchtlinge haben in den vergangenen Monaten Unterschlupf in der Türkei gefunden – mehr hier), gelingt es der Freien syrischen Armee derzeit offenbar viele Gebiete des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Gut 75 Prozent der Provinz Idlib, wo sich auch der Grenzübergang Bab al-Hawa befindet, sind demnach unter Kontrolle der Aufständischen, die an den Straßen mittlerweile zahlreiche Checkpoints eingerichtet haben.

Heftige Auseinandersetzungen zwischen Regimeanhängern und der Freien syrischen Armee in diesem Gebiet haben nun aber dazu geführt, dass die Regierungsbeamten, die etwa in Latakia leben, jetzt über den Grenzübergang  Yayladağı in die Türkei und weiter über türkisches Territorium zu ihrem Posten in Bab al-Hawa gelangen. Die syrischen Zollbeamten, darunter auch Zivilangestellte, Militär- und Polizeibeamte, arbeiten dort in 24- bzw. 48-Stunden-Schichten. Ein Angestellter, der etwa in Latakia zuhause ist, kann Bab al-Hawa über die Türkei in gut eineinhalb Stunden erreichen.

Kaum noch Warenverkehr an türkisch-syrischer Grenze

Mittlerweile haben sich die angespannten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern auch auf den Handel ausgewirkt. Berichten von türkischen Beamten am Grenzübergang Cilvegözü zufolge ist die Zahl der täglichen Passanten auf 40 gesunken. In drei von sechs Grenzübergängen zwischen den beiden Ländern gebe es praktisch keinen Fracht-Transit. Insgesamt sind die türkischen Exporte gen Syrien um 62 Prozent eingebrochen. Von 476 Millionen US-Dollar in den ersten vier Monaten 2011 auf 220 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum dieses Jahres. Gleiches gilt auch für die Importe. Hier beträgt der Rückgang sogar 88 Prozent von 246 Millionen US-Dollar auf gerade einmal 28 Millionen US-Dollar.

Neben dem Handel sind auch die grenzüberschreitenden Besuche zwischen Verwandten betroffen. Derzeit können viele nicht einmal mehr auf das Telefon zurückgreifen, um ihre Lieben in Syrien zu kontaktieren, da viele Verbindungen schlicht unterbrochen sind. Viele haben zudem Angst, dass sie abgehört werden könnten. Nicht einfach ist der Job derzeit auch für türkische Lkw-Fahrer, die nach wie vor ins syrische Gebiet liefern. Nicht selten gibt es Berichte über Gängeleien und Schikanen durch das syrische Militär, auch von Zerstörungen oder gar Diebstählen ist die Rede (es gab auch schon Tote – mehr hier).

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