Spanischer Recycling-Riese Befesa investiert 120 Millionen Dollar in der Türkei

Der internationale Recycling-Konzern Befesa plant mehr als 120 Millionen Dollar in den Bau von zwei neuen industriellen Abfallverwertungsanlagen in İzmir und Adana zu investieren. Das gaben Vertreter des spanischen Unternehmens mit Kollegen von der Agentur für Wirtschafts- und Investitionsförderung der Türkei (ISPAT) am vergangenen Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt.

Befesa CEO Javier Molina Montes war zur Vorstellung der Millioneninvestition in der Türkei vor Ort. (Foto: DTN)

Befesa CEO Javier Molina Montes war zur Vorstellung der Millioneninvestition in der Türkei vor Ort. (Foto: DTN)

„Dass Befesa plant, 120 Millionen Dollar in zwei neue Anlagen zu investieren, ist ein Indiz dafür, wie die Investitionen in der Türkei ansteigen und sich diversifizieren“, erläutert Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan am vergangenen Dienstag gegenüber Reportern vor dem Istanbuler Mövenpick Hotel die Bedeutung dieses Vorhabens. „Es ist eine ernsthafte, langfristige Investition und in Zukunft könnte sich diese auf bis zu 300 Millionen Dollar erhöhen.“

Zwei neue Anlagen: Befesa schafft gut 300 Arbeitsplätze

Die beiden gut 50.000 Quadratfuß großen Anlagen, erläutert Befesa CEO Javier Molina Montes den Journalisten, würden etwa 300 Arbeitsplätze schaffen und 220.000 Tonnen Stahlstaub, ein Nebenprodukt der Stahlerzeugung, das von den Unternehmen in der Regel entsorgt wird, neu aufbereiten. Dieser Prozess könnte gut 45 Prozent des jährlichen Stahlstaubes, der von türkischen Produzenten bisher in Deponien verfrachtet wurde, abfangen und daraus gut 80.000 Tonnen Wälzoxid, eine Zink-reiche Verbindung, die etwa Stahlbau-Komponenten und den Außenbereich von Autos vor Korrosion schützt, herstellen.

Laut Montes sei die Investition in der Türkei, welche die weltweit zehntgrößte Stahlindustrie, jedoch keine großtechnischen Abfallverwerter hat, für den Befesa Konzern, der jährlich mehr als 2,5 Millionen Tonnen Industrieabfälle in 20 Ländern behandelt oder recycelt, eine „natürliche Wahl“ gewesen. Die Türkei produziert Jahr für Jahr mehr als 34,1 Millionen Tonnen Stahl und gehört somit zu den wichtigsten Stahlexporteuren Europas.

Notwendige Ergänzung der noch jungen Recycling-Industrie

Auch von türkischer Seite ist die Investition mehr als willkommen und wird hier als notwendige Ergänzung der noch jungen Recycling-Industrie des Landes betrachtet, die nach Ansicht von ISPAT-Präsident İker Aycı durch die technologischen und industriellen Erfahrungen von Befesa einen deutlichen Schub erfahren werde. Er stellt heraus: „Diese Investition ist sehr wichtig, nicht nur für die Zusammenführung von Technologie, die Schaffung von Arbeitsplätzen und für die türkischen Exportzahlen, sondern auch wegen ihres Beitrags für die Umwelt.“ Darüber hinaus wies Aycı auch darauf hin, dass die türkische Regierung gerade dabei sei striktere Vorschriften zur Entsorgung von Industrieabfällen aufzustellen.  Dadurch erhoffe man sich einen deutlichen Rückgang der Millionen Tonnen verwertbarer Abfälle, die jedes Jahr in türkischen Deponien landen.

Die ISPAT, die bestrebt ist, weitere ausländische Investoren ins Land zu holen und das Leistungsbilanzdefizit der Türkei zu senken (sie hat das höchste aller G20 Staaten – mehr hier), feiert die Befesa-Investition auch als erfolgreiches Beispiel für das neue, regionale Anreiz-System der türkischen Regierung, das gerade unterentwickelten Regionen zu neuem Schwung verhelfen soll. Laut Aycı sei ein wichtiger Grund für diesen Deal die Bereitschaft der Regierung gewesen in den ersten Jahren für die Versicherungskosten der Mitarbeiter in der Anlage von Adana aufzukommen. Çağlayan lobte die Vereinbarung derweil hinsichtlich ihrer „positiven Effekte auf das besorgniserregende aktuelle türkische Leistungsbilanzdefizit“. Sowohl die Erstinvestition als auch die diesjährigen Exporte von Zink-Verbindungen nach Europa, Indien und gen China würden eine kleine, aber wichtige Änderung im Leistungsbilanzdefizit der Türkei bewirken (für innovatives Dosen-Recycling gab es bereits einen grünen Oscar – mehr hier).

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