Feuer im Polat-Tower: Intelligentes Brandschutz-System verhinderte Todesopfer

Die Szenen, die sich am vergangenen Dienstag in Istanbul abspielten, erinnerten nicht wenige Beobachter an die brennenden Zwillingstürme von New York vor elf Jahren. Diesmal stand der 42 Stockwerke hohe Polat-Tower im Zentrum der Stadt in Flammen. Dass die Situation dennoch so glimpflich ausging, ist nach Ansicht von Bürgermeister Kadir Topbaş, vor allem dem intelligenten Brandschutz-System zu verdanken.

Der verheerende Brand im Polat-Tower, in dem sich sowohl Wohn- als auch Geschäftseinheiten befinden, sorgte am vergangenen Dienstag für gehörige Panik in der Stadt. Nach dem ersten Schrecken konnten die Flammen jedoch relativ schnell eingedämmt werden. Zu verdanken ist das vor allem dem hauseigenen Brandschutz (erst am Wochenende stürzte eine Metrobrücke ein – mehr hier).

Während des Vormittags riegelte die Polizei die Straße für den Verkehr ab. Eine nahe Tankstelle und ein privates Krankenhaus wurden umgehend evakuiert. Gegen elf Uhr befanden sich bereits zahlreiche Löschzüge vor Ort und begannen mit der systematischen Brandbekämpfung. In nur knapp zwei Stunden hatten die Feuerwehrleute die Flammen unter Kontrolle. Wie es zu dem verheerenden Feuer kommen konnte, das wird derzeit noch immer untersucht. Wie Istanbuls Gouverneur  Hüseyin Avni Mutlu mitteilte, wird vermutet, dass es sich um einen technischen Defekt bei den Klimaanlagen handeln könnte.

Umfassendes Sicherheitspaket verhinderte größere Schäden

Nachdem der Brand unter Kontrolle war, wandte sich auch Istanbuls Bürgermeister Topbaş an die Presse. Er dankte Adnan Polat, Eigner der Polat Holding, der das Gebäude gehört. „Dieser Vorfall hat uns eines gezeigt: Sie haben ein sehr intelligentes Gebäude gebaut. Das Anti-Feuer-System kühlte sich selbst herunter, die Feuerlöschanlagen sprangen an und verhinderten, dass sich das Feuer weiter ins Gebäude hineinfressen konnte. Gas-Systeme schalteten sich automatisch ab und verhinderten so eine möglich Gasbildung und auch eine Explosion. Es wurde sogar ein Umkehrdruck im Innern des Hauses erzeugt, der verhinderte, dass Rauch hineindringen konnte.“

Dank dieser Maßnahmen, so der Bürgermeister, habe eine potentielle Katastrophe verhindert werden können. Zwar gäbe es finanzielle Schäden, doch niemand habe sein Leben verloren. Er ist überzeugt, dass alle Bauwerke in Istanbul nach diesem Vorbild errichtet werden sollten. „Hochhäuser sollten keine brennbaren Materialien beinhalten, das hat uns dieser Vorfall gelehrt. Tausende Menschen arbeiten in diesem Gebäude. Der Brand hat uns das Twin Tower Disaster von New York wieder ins Gedächtnis gerufen. Wir wollen keine solche Katastrophe in unserer Stadt. Und wir erwarten, dass die Investoren die gleiche Sensibilität zeigen.“ (9/11 gehört zu den denkwürdigsten TV-Momenten der letzten 50 Jahre – mehr hier)

Rund 1500 Personen während des Unglücks im Polat Tower

Entschieden trat Bürgermeister Topbaş auch den Kritikern entgegen, die meinten, die Feuerwehr der Stadt wäre nicht schnell genug vor Ort gewesen. Er stellt nun klar, dass die Zeit zwischen dem Eingang des Notrufes und der ersten Intervention – die aus 30 Löschzügen und gut 100 Einsatzkräften bestand – gerade einmal drei Minuten betragen habe.

Auch Adnan Polat trat am Nachmittag vor die Presse. Seinen Angaben zufolge hätten sich zum Unglückszeitpunkt etwa 1,500 Personen im Gebäude befunden. So wenige wie sonst nie während des restlichen Jahres. Er berichtete von Schäden an der Außenfassade. Größere Schäden im Inneren seien durch das eigene Brandschutzsystem verhindert worden. Er dankte Bürgermeister Topbaş, dem Bürgermeister von Şişli  Mustafa Sarıgül und den Feuerwehrleuten der Stadt für ihre schnelle Reaktion.

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