Massaker in Syrien: 120,000 Menschen haben das Land bereits verlassen

Die Lage im türkischen Nachbarland Syrien spitzt sich immer mehr zu. Allein am Freitag haben Tausende Einheimische und dort lebende Flüchtlinge das Land verlassen. Derweil brodelt die Hauptstadt Damaskus wie nie zuvor. Allein am vergangenen Donnerstag starben dort über 300 Menschen. So viele wie noch nie seit Ausbruch der Unruhen.

Eine regelrechte Massenflucht erlebte am vergangenen Freitag der Libanon. Wie türkische Medien derzeit berichten, sollen hier mindestens 30.000 Syrer Zuflucht vor den immer grausameren Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und Rebellen gesucht haben. Auch der Irak reagiert auf den eskalierenden Bürgerkrieg. Er ließ seine Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die laut UN-Angaben immer häufiger Ziel der Angriffe werden, ausfliegen.

UNHCR besorgt über Situation irakischer Flüchtlinge

In den vergangenen Tagen flohen allein Hunderte Iraker aus Syrien. Bisher setzte die irakische Regierung acht Flüge ein. Bis zum Freitagmorgen konnten offiziellen Angaben zufolge 750 Menschen evakuiert werden. Weitere Flüge sollen folgen. Unterdessen äußerte auch das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) am Freitag ihre Sorge um Zehntausende irakischer Flüchtlinge in Syrien, die befürchten, Ziel der zunehmenden Gewalt im Land zu sein, nachdem eine siebenköpfige irakische Flüchtlings-Familie erschossen in ihrer Wohnung in Damaskus aufgefunden wurde. Noch vor ein paar Jahren sah die Lage ganz anders aus: Zwischen 2005 und 2007 flohen Tausende Iraker nach Syrien, um den weit verbreiteten sektiererischen Kämpfen und damit der schlimmsten Gewalt in ihrer Heimat zu entkommen. Die UN schätzt, dass es im vergangenen Januar etwa eine Million irakische Flüchtlinge in Syrien und 3000 weitere Asylbewerber gab. Die irakische Regierung spricht hingegen von gut 200.000 Menschen.

Wie die UNHCR weiterhin am Freitag mitteilte, hätten bis zu 30.000 syrische Flüchtlinge in den letzten 48 Stunden die Grenze zum Libanon überschritten. Insgesamt seien es 120.000 syrische Flüchtlinge, die während des seit 16 Monaten andauernden Konflikts das Heil in in Jordanien, Irak, Libanon und der Türkei gesucht hätten (die Türkei baut derzeit ein neues Flüchtlingscamp auf – mehr hier).

Hisham Ikhtiyar: Weiterer Assad-Verbündeter stirbt

Derweil verschärft sich die Lage in Damaskus seit dem Bombenattentat zur Mitte der Woche zusehends. Am Freitag nahmen syrische Truppen wieder die Kontrolle über Midan, ein rebellisches Viertel der Stadt, ein. Auch den Süden der Stadt, so heißt es, hätten Assads Anhänger wieder unter Kontrolle. Dabei beschlagnahmten sie große Mengen an Waffen wie Maschinengewehre, Sprengstoffgürtel, Panzerfäuste und Kommunikations-Ausrüstung. Der Rückzug der Rebellen soll eigenen Aussagen zufolge allerdings nur „taktischer“ Natur sein, um Zivilisten vor weiteren Beschuss nach fünf Tagen intensiver Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regime-Kämpfer zu schonen. Und auch Assad selbst hat einen weiteren Schlag auf seinen innersten Zirkel zu verkraften. Ebenfalls am Freitag erlag nun, so berichtet das staatliche Fernsehen, sein Nationaler Sicherheitschef und enger Berater, General Hisham Ikhtiyar, seinen Verletzungen, die er sich am Mittwoch zugezogen hatte.

Damaskus selbst hat sich mittlerweile in eine einzige Kampfzone verwandelt. Tausende syrische Familien packten in den letzten Tagen das Nötigste zusammen, setzten sich in ihre Autos und flüchteten so schnell sie könnten über die Grenze in den Libanon. Doch das Regime glaubt, die Lage unter Kontrolle zu haben. Mit zwei gepanzerten Fahrzeugen schleuste sie hiesige Journalisten in das umkämpfte Midan. Was sie zu sehen bekamen entbehrt jedoch jeglicher Beschreibung. Wie die Associated Press berichtet, hätten ihre Reporter Szenen der Zerstörung, darunter Dutzende von beschädigten oder verbrannten Autos, Geschäfte mit zerschmetterten Fenstern, und die Leichen von mindestens sechs jungen Männern auf der Straße gesehen.

Nicht nur Damaskus ist heiß umkämpft. Zuletzt entbrannten auch Auseinandersetzungen rund um strategisch wichtige Grenzposten. So haben am vergangenen Donnerstag ein halbes Dutzend Rebellen einen syrischen Grenzübergang in der Nähe der irakischen Stadt Qaim eingenommen. Auch Abu Kamal sei Ziel der Gewalt. Eingenommen wurde auch der syrisch-türkische Grenzposten Bab al-Hawa (es gab mehrere Versuche – mehr hier). Ein türkischer Beamter in Reyhanlı , auf der türkischen Seite der Grenze von Bab al-Hawa, bestätigte, dass die Rebellen die Kontrolle über die Grenze eingenommen haben, er hätte aber keine Informationen über die neueste Situation auf der syrischen Seite. Ein weiterer Beamter gab unterdessen an, dass die Türkei den Grenzübergang aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen hätte.

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