Vorwürfe gegen syrische Rebellen: Lkws von türkischen Truckern angezündet

Dutzende von türkischen Lkw-Fahrern beschuldigten am vergangenen Samstag die Freie Syrische Armee ihre Trucks geplündert und anschließend angezündet zu haben. Unterdessen konnten die Rebellen offenbar einen dritten Grenzposten erobern.

Eine Gruppe von LKW-Besitzern, Händlern und Transporteuren, so berichten derzeit die türkischen Medien, hätten seit vergangenen Freitag am südtürkischen Grenzposten Cilvegozu, der gegenüber des bereits eingenommenen syrischen Postens Bab al-Hawa liegt, ausgeharrt. „Als sie die Kontrolle über den Bab al-Hawa Grenzposten in Syrien übernommen haben, sind wir den Rebellen nur knapp entkommen“, berichtet Hasan Abbasoglu als er seinen Lkw nach der Plünderung in Syrien zurückholte. Während sein Fahrzeug nicht beschädigt wurde, war ihm seine Ladung jedoch abhanden gekommen. Darüber hinaus sei er gezwungen worden 700 Dollar, umgerechnet etwa 575 Euro, an Bestechungsgeldern zu zahlen, um seinen Truck wieder zu bekommen.

Türkische Lkws ausgeraubt und in Brand gesteckt

„Sieben Jahre lang habe ich Teppiche über die syrische Grenze exportiert. Aber dieses Mal sind wir nur knapp mit unserem Leben davon gekommen. Mitglieder der Freien Syrischen Armee haben nichts unternommen, um ihre Rebellenkollegen von den Plünderungen abzuhalten.“ (die Rebellen haben in den letzten Tagen gleich mehrere Grenzposten in ihre Gewalt gebracht – mehr hier) Abbasoglu hatte jedoch noch Glück. Ihm blieb wenigstens der Truck. Am syrischen Grenzposten Bab al-Hawa, nur vier Kilometer von Cilvegozu entfernt, plünderten syrische Rebellen das Zollgebäude und die Fracht von dort liegengebliebenen Lkws. „Alle unsere Laster wurden verbrannt“, berichtet Ali Cengiz, der normalerweise über Syrien nach Saudi-Arabien liefert. „Die Rebellen zerstörten unsere Lkws während der Auseinandersetzungen.“

Derartige Zwischenfälle geschehen jedoch nicht zum ersten Mal. Wiederholt hat das türkische Außenministerium auf Grund der hohen Sicherheitsbedenken bereits Reisewarnungen für Syrien an ihre Bürgerinnen und Bürger herausgegeben (erstmals geschah schon im August 2011 – mehr hier). Geschäftsleute argumentierten jedoch, dass solange der Grenzübergang Cilvegozu geöffnet sei, sie auch den Handel mit Syrien aufrecht erhalten würden, um im Geschäft zu bleiben. „Wie soll ich sonst meinen Lebensunterhalt verdienen?“, fragt Cengiz. „Wir haben Schulden. Wird die Regierung für unseren Verlust aufkommen?“ Ali Celik, der ein Straßentransportunternehmen betreibt, blickt gen Syrien: Dass er seine Waren jemals wiedersieht, darauf setzt er keine allzu großen Hoffnungen. Seine Lastwagen sitzen alle in Bab al-Hawa fest. Man hätte bereits Abschleppwagen dorthin geschickt, aber bisher keine Rückmeldung erhalten.

Drei syrisch-türkische Grenzposten von Rebellen übernommen

Im Zuge der Auseinandersetzungen um Grenzposten sind seit der vergangenen Woche bereits 40 Lkws an der syrischen Grenze liegengeblieben. Die lokalen Behörden sind bereits aktiv. Erst am vergangenen Samstag gab es eine Zusammenkunft in Cilvegozu, wo in Anbetracht der jüngsten Vorkommnisse über weitere Sicherheitsmaßnahmen diskutiert wurde.

Unterdessen berichten syrische Oppositionelle an diesem Sonntag, dass man einen weiteren Posten an der türkischen Grenze eingenommen habe. Bab al-Salam im Norden von Aleppo ist damit bereits der dritte Grenzübergang, den die Rebellen in den vergangenen vier Tagen erobern konnten. „Die Freie Syrische Armee hat die Kontrolle über den Bab al-Salam Grenzposten genommen, aber Assads Truppen bombardieren unsere Positionen aus der Ferne“, so deren Sprecher Ahmed Zaidan. Die syrische Opposition hat in der vergangenen Woche bereits die Kontrolle von Bab al-Hawa und Jarablus sowie an zwei Grenzübergängen in den Irak übernommen.

Eine Analyse der derzeitigen Lage versucht derweil Al Jazeera:

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