Ruf zum Sonnenaufgang: Türkische Gemeinden wollen Tradition der Ramadan Trommler neu beleben

Zahlreiche Gemeinden in der gesamten Türkei kämpfen derzeit darum, die Tradition der so genannten Ramadan-Trommel aufrechtzuerhalten. Die Männer treten während des Fastenmonats bereits im Morgengrauen an, um die Menschen zum Suhur, dem Ramadan-Frühstück, zu wecken. Mit kleinen Neuerungen, wie etwa dem Tragen eines Fez und eines weißen Hemdes, aber auch mit dem Organisieren diverser Wettbewerbe um den besten Ramadan-Trommler soll die Aufgabe attraktiv bleiben.

Für viele Menschen in der Türkei gehören die Trommler zu den wichtigsten Markern des heiligen Fastenmonats. Mit ihren Instrumenten helfen sie den Gläubigen aufzuwachen, um ihr Mahl pünktlich vor Sonnenaufgang einzunehmen. Einigen ist diese Methode schlicht zu antiquiert. Sie bevorzugen ihr Handy oder einen einfachen Wecker, um sich rechtzeitig zum Suhur aus den Federn erheben. Sie halten das laute Trommeln schlicht für unnötig und empfinden es als unangenehm. Nichtsdestotrotz ist die Existenz der Ramadan-Trommler von größter Bedeutung für die Fortsetzung einer Tradition, die bis auf die alten Ramadan-Tage zurückreicht (interessant ist es übrigens zu sehen, wie Deutsch-Türken hierzulande christliche Feiertage wie Weihnachten verbringen – mehr hier).

Während des osmanischen Zeitalters hatten die Ramadan-Trommler – die auch als Nachtwächter der Straßen angesehen wurden – die Pflicht die Menschen auf eine angenehme Art und Weise zum Suhur zu wecken. Jeden Tag rezitierten sie verschiedene türkische Gedichte, bei denen sie von ihren Trommeln begleitet wurden. Die Aufgabe eines Ramadan-Trommlers war nicht einfach, eine Tradition, die vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde, sodass die Trommler stets aus der gleichen Familie stammten. Am Ende des Ramadans besuchten die Trommler die Häuser der Gläubigen, wo sie eine kleine finanzielle Anerkennung für ihre Dienste während des heiligen Fastenmonats erhielten.

Trommler erhalten spezielles Gewand und Ausbildung

Heute, fast 700 Jahre nach der Gründung des Osmanischen Reiches sind neue Praktiken von den Gemeinden gefragt, um die Fortsetzung der alten Tradition aufrechtzuerhalten. So hat zum Beispiel die Gemeinde Çorum spezielle Vorbereitungen für die Ramadan-Trommler getroffen. Nun werden die Trommler einen Fez, einen osmanischen Hut, weiße Hemden und schwarze Hosen tragen, die an die Tagwäsche der Männer im Osmanischen Reich erinnern soll. „Wir achten sogar auf die Harmonie zwischen dem Gang der Trommler und dem, was sie spielen, wenn wir sie in der Gemeinde von Çorum trainieren“, erläutert Salahattin Delice, Ausbilder der Ramadan-Trommler, die auch Kurse von der Gemeinde erhalten, wie die Trommel während des Ramadans angemessen zu spielen ist. An die Spieler werden zudem spezielle Karten ausgegeben, ähnlich einem Personalausweis. Immerhin, nur eine Handvoll Trommler werden mit dieser wichtigen Aufgabe betraut. Diejenigen, die diese Kurse nicht besucht haben, ist auch nicht gestattet auf den Straßen zu trommeln. Die Intention hinter dieser strengen Regelung: Die Gemeinde möchte eine Atmosphäre schaffen, die an die alten Traditionen erinnert. Ohne dass diese von Leuten gestört wird (zum Zuckerfest 2011 zogen Muslime in Deutschland eine positive Bilanz – mehr hier).

Freude über Trommler-Tradition überwiegt die Beschwerden

Etwas völlig anderes hat sich die Gemeinde Beylikdüzü in Istanbul einfallen lassen. Hier wurde ein Wettbewerb organisiert, um die besten Ramadan-Trommler während der gesamten Fastenzeit zu ermitteln. Die Kandidaten erhalten ein einwöchiges Training von einem Musiklehrer. Danach zeigen die Trommler vor einer Jury, was sie können. Beurteilt werden sie dabei von Vizebürgermeister Efrahim Yeşil, Istanbuls Gouverneur Avni Mutlu und dem Bürgermeister von Beylikdüzü Yusuf Uzun, die den Trommlern zudem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wie wichtig die Wiederbelebung dieser Tradition und dazu noch mit der Anerkennung der Gemeinden ist, davon ist auch der Gewinner eines solchen Wettbewerbs, İsmail Kuşçu, überzeugt. Er war bereits seit einer langen Zeit als Ramadan-Trommler unterwegs und er wünscht sich nichts sehnlicher als dass diese alten Traditionen überleben werden. Wie Kuşçu erzählt, hätten sie während des Ramadans zwar auch zahlreiche Beschwerden erhalten. Doch die meisten Menschen seien froh, dass es die Trommler gebe. „Die Leute, die nicht von uns zum Suhur geweckt werden wollen, sind diejenigen mit schlafenden Kindern oder jene, mit kranken Angehörigen zuhause. Sie wollen, dass wir unsere Trommeln weniger laut spielen. Sie benehmen sich den Trommlern gegenüber aber nicht unhöflich“, stellt Kuşçu heraus.

Zu wenig Trinkgeld: Aussterben der Ramadan-Trommler

In einigen Gegenden der Türkei, wie zum Beispiel in der südtürkischen Provinz Gaziantep, sind die Trommler ganz und gar nicht glücklich mit der mangelnden Unterstützung, die ihnen von Seiten der Gemeinden zukommt. Bileç Davulcu, Vorstand einer Organisation von Trommlern in Gaziantep, klagt, dass – obwohl sie positive Rückmeldung von den Leuten und sogar Trinkgeld erhalten würden – die Gemeinde es ihnen nicht erlauben würde während des Ramadans zu trommeln. Auf der einen Seite hätte man ihnen zwar spezielle Kleidung gegeben, die sie tragen sollten, doch letzten Endes weigerte sich die Gemeinde sie ihre Trommeln schlagen zu lassen.

Doch nicht nur die Gemeinden selbst sind mancherorts das Problem. Auch das Trinkgeld fließt nicht überall in Strömen. In einigen türkischen Provinzen geht die Zahl der Ramadan-Trommler zurück, weil sie eben kein angemessenes Trinkgeld für ihre Dienste in teils drückender Sommerhitze erhalten. Mittlerweile grassiert dort auch unter Offiziellen die Angst, dass diese uralte Tradition langsam aber sicher aussterben könnte.

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