Nach den Lkw-Plünderungen: Türkei schließt Grenzposten zu Syrien

Die Türkei hat den türkisch-syrischen Grenzübergang Cilvegözü geschlossen. Der Entscheidung vorausgegangen waren Angriffe auf türkische Lkws. Mindestens neun Fahrzeuge wurden verbrannt und zahlreiche weitere geplündert, als die syrische Opposition in der vergangenen Woche die Kontrolle über zwei türkisch-syrische Grenzposten übernommen hatte.

Im Kampf um Grenzposten an den syrischen Außengrenzen gelang es der Freien Syrischen Armee (FSA) am vergangenen Sonntag nach Bab al-Hawa und Jarablus am vergangenen Donnerstag nun den dritten syrisch-türkischen Grenzübergang, Bab al-Salam, in ihre Gewalt zu bringen (die Lkw-Fahrer schildern, dass sie teils nur knapp mit ihrem Leben davon gekommen wären – mehr hier).

Die Entscheidung den Grenzposten Cilvegözü zu schließen wurde im Zuge einer Sicherheitskonferenz unter dem Vorsitz des Gouverneurs von Hatay, Mehmet Celalettin Lekesiz, am vergangenen Wochenende getroffen. Das Treffen wurde einberufen, nachdem zuvor  neun türkische Lastwagen in der Nähe von Bab al-Hawa angezündet wurden. Ein Lkw-Fahrer, es soll sich um Ahmet Yılmaz handeln, wurde als Gefangener genommen. Die anderen Trucker seien, den Behörden zufolge, wohlbehalten in die Türkei gelangt. Von insgesamt 30 Lastwagen gelangten nur 19 wieder in die Hände ihrer Besitzer. Über den Verbleib der übrigen Fahrzeuge herrscht Unklarheit.

Wer türkische Lkws geplündert hat, ist weiter unklar

Wer letztlich für die Plünderungen verantwortlich ist, diese Frage konnte bisher noch nicht abschließend geklärt werden. Der Gouverneur beschuldigt derzeit „unabhängige Truppen“, die auch in Schmuggelaktivitäten entlang der Grenze involviert seien. Die Trucker selbst beschuldigen hingegen die FSA. Sie sagen, die Kämpfer hätten ihre Lkws zerstört und nichts gegen die Plünderungen unternommen.

Dass der Gouverneur mit seiner Einschätzung nicht ganz richtig liegen könnte, das wird durch einen Bericht der Nachrichtenagentur AFP vom vergangenen Wochenende deutlich. Am Samstag hieß es, dass Kämpfer der Freien Syrischen Armee gesehen worden seien, wie sie am Freitag am Grenzposten Bab al-Hawa Gegenstände aus den türkischen Trucks an Einheimische verteilt hätten.Daneben hätten die Rebellen auch das Zollgebäude durchwühlt. Doch Abdelbasset Seida, Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats, hält beide Versionen für falsch. Seiner Ansicht nach würden Regime-Anhänger hinter den Plünderungen stecken. Er bezeichnete das Vorgehen während einer Visite in Hatay als „inakzeptabel“.

Türkische Armee verlagert weiteres Gerät an die Grenze

Unterdessen flüchten derzeit weitere syrische Militärs. Über Nacht, so berichten die türkischen Medien, seien zwei weitere syrische Brigadegeneräle innerhalb einer zehnköpfigen Gruppe über die Grenze gelangt. Darunter auch Obristen und andere Offiziere. Die jüngsten Bewegungen erhöhen die Zahl der syrischen Generäle, die Zuflucht in der Türkei suchen, auf 24 (Anfang Juli fand die bisher größte Bewegung dieser Art in einer Gruppe von fast 300 Personen statt – mehr hier).

Erneut hat derweil die türkische Armee mehrere Boden-Luft-Raketen an der Grenze zu Syrien stationiert. Wie es am Sonntag hieß, sollen Zugkonvoi mit den Raketen sowie Truppentransportern in Mardin im Südosten des Landes eingetroffen sein (das Säbelrasseln an der türkisch-syrischen Grenze setzte bereits Ende Juni ein – mehr hier). Wie mit Berufung auf hiesige Militärs berichtet wurde, sollen die Gerätschaften auf Einheiten entlang der Grenze aufgeteilt werden.

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