Syrische Olympioniken: „Wir wollen der Welt ein anderes Bild zeigen“

Brutale Niederschlagungen, Tote, Verletzte und immer wieder eskalierende Gewalt bestimmen die Nachrichtenlage rund um Syrien. Doch mitten in diesem Chaos machen sich zehn syrische Athleten auf in Richtung Olympische Spiele in London. Ihre Mission dort ist bei weitem nicht nur sportlicher Natur.

Die syrischen Athleten haben in London nicht nur sportliche Hindernisse zu meistern. (Foto:  Robert Voors/flickr)

Die syrischen Athleten haben in London nicht nur sportliche Hindernisse zu meistern. (Foto: Robert Voors/flickr)

„Wir wollen der Welt ein anderes Bild zeigen als das, was von den Fernsehsendern übermittelt wird“, erklärt der 23-jährige Sprinter Ghofrane Mohammed, dessen Schwerpunkt auf 400-Meter-Hürden liegt, das Ziel in London. „Es wird verwunderlich sein die syrische Nationalhymne in London zu hören.“ Die ganze Welt, so der junge Mann, der sich nachts im Tishrin Stadion in Damaskus auf seine ersten Olympischen Spiele vorbereitet, werde dann erfahren, dass sie in der Lage seien zu trainieren und trotz der Krise in ihrem Land hier teilnehmen könnten. Doch die Krise, das gibt der Sportler unumwunden zu, habe das syrische Olympia-Team quasi mitten hinein in die politischen und diplomatischen Spannungen katapultiert (bereits rund 120.000 Syrer haben das Land verlassen – mehr hier).

Joumaa verurteilt „falsche Demokratie des Westens“

Die britische Regierung, die nach dem Anschlag von Damaskus am vergangenen Mittwoch gemeinsam mit Deutschland auf Sanktionen gegen Syrien drängt, hat dem Vorsitzenden des syrischen Olympischen Kommittees, Mowaffak Joumaa, einem Nahestehenden des Präsidenten Bashar al Assads, ein Visum für Großbritannien verweigert. Joumaa, der sich selbst als stolz bezeichnet „Teil der syrischen Armee zu sein“ ist derweil überzeugt, dass es eine Verschwörung gegen Syrien gebe. Seine Athleten würden deshalb antreten, um ihre „Verbundenheit mit ihrem Land und ihrer Führung zu demonstrieren“ (der türkische Präsident Gül fordert hingegen einen sofortigen Regimewechsel – mehr hier).

Der Präsident des syrischen Sportverbandes kritisierte zudem die „Verletzung der Olympischen Konventionen“ und verurteilte „die falsche Demokratie des Westens“. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte er, dass die syrischen Athleten als „echte Botschafter“ ihres Landes auftreten würden. Das Team „spiegelt die nationale Einheit zwischen allen Teilen unseres Volkes wider“, fügte er mit Bezug auf die unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gemeinschaften in Syrien hinzu.

Größte syrische Olympia-Delegation seit Moskau

Jomaa bestritt zudem, dass die syrische Delegation bedroht oder unter Druck gesetzt worden sei, um sie so zum Fernbleiben an den Londoner Spielen zu drängen, obwohl er „so etwas in sozialen Netzwerke gesehen“ hätte. Ebenfalls weit weg schob er Befürchtungen, dass das syrische Team während der Spiele Ziel von Angriffen werden könnte. „Darüber haben wir mit dem Team gesprochen und sie bestanden darauf, dass sie Erpressungsversuchen oder sonstigem Druck standhalten würden.“

Das syrische Olympia-Team wird an ingesamt sieben Wettbewerben teilnehmen und besteht aus insgesamt 28 Mitgliedern, inklusive der Athleten. Damit sind sie die größte syrische Delegation seit den Olympischen Spielen 1980 in Moskau.

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