Atomkraft: Rosatom will zwei weitere Akws in der Türkei bauen

Das staatlich organisierte russische Atomkraftunternehmen Rosatom, welches das erste türkische Atomkraftwerk in Akkuyu baut, hat Interesse am Bau eines zweiten und dritten Akws in der Türkei signalisiert. Unterdessen wurden die Pläne für das erste Bauvorhaben öffentlich.

Wie Alexander Superfin, Generalmanager bei Rosatom, nun mitteilte, sei sein Unternehmen daran interessiert in der Türkei auch ein zweites und drittes Atomkraftwerk zu errichten. „Wenn sich die türkische Regierung hilfesuchend an Russland wendet, dann wären wir mehr als glücklich Teil dieses Prozesses zu sein“, so Superfin gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anatolia. Er sei sich allerdings bewusst, dass die Türkei auch mit anderen Ländern wie Kanada, Japan und China darüber spreche (der türkische Energieminister Taner Yıldız kündigte kürzlich an, dass die Türkei bis 2023 ganze 23 Akws bauen wolle – mehr hier).

Wasser aus dem Mittelmeer zur Kühlung

In der Zwischenzeit wurden die Pläne für das Bauvorhaben in Akkuyu in der südtürkischen Provinz Mersin bekannt gegeben. Wie die türkischen Medien berichten, soll das Akw voraussichtlich direkt am Wasser errichtet werden und die Größe von zwei Fußballfeldern haben. Die Anlage soll darüber hinaus so konstruiert sein, dass sie einem Erdbeben der Stärke neun auf der Richterskala standhalten könnte. Insgesamt werde es vier Reaktoren geben, die direkt nebeneinander lägen und jeweils 1.200 Megawatt Strom erzeugen könnten. Zu Kühlzwecken soll das Wasser aus dem Mittelmeer dienen. Danach soll es völlig unbelastet wieder ins Meer geleitet werden. Kühltürme würden auf Grund dieser Konstruktion nicht nötig sein (erst im vergangenen März riet der Greenpeace International Chef Kumi Naidoo, die Türkei sollte mehr auf Solar- und Windenergie setzen – mehr hier).

Von außen soll die Anlage aussehen wie ein wissenschaftliches Forschungsinstitut. Es solle zu keinerlei Lärmbelästigungen oder Versickerungen kommen. Einmal in Betrieb werde es für die Mitarbeiter zudem nicht erforderlich sein, spezielle Kleidung zu tragen. Wie Superfin weiter ausführt, würden in der Architektur auch türkische Elemente aufgegriffen werden. So sollen die Dächer der vier Reaktoren jeweils als Kuppel gestaltet werden.

Baubeginn in Akkuyu soll pünktlich 2013 stattfinden

Rosatom schätzt die Kosten für das Projekt derzeit auf gut 20 Milliarden US-Dollar. Derzeit arbeite man jedoch noch daran, diese Summe zu senken. So könnten durchaus auch türkische Werkstoffe zum Einsatz kommen, die zur Kostensenkung beitragen könnten. Darüber hinaus gäbe es auch noch Spielraum bei den Transportkosten. Der Baubeginn soll übrigens pünktlich im Jahr 2013 erfolgen (Mehrere Atomanlagen sollen in der Türkei für die Senkung des Energieimports sorgen – mehr hier).

Die Pläne für ein Akw in Akkuyu gelten jedoch von Beginn an als umstritten. Bereits Anfang letzten Jahres appellierte der Greenpeace-Mitarbeiter Cenk Levi in Richtung Erdogan, in dieser Sache auf sein Volk zu hören und die Pläne für das erste türkische Atomkraftwerk zu überdenken. Er warnte im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten: „Die Katastrophe in Japan hat erneut allen gezeigt und bewiesen, dass Atomkraftwerke nicht sicher sind. Ebenfalls hat sie uns vor Augen geführt, wie gefährlich Atomkraftreaktoren in Wirklichkeit sind. Es ist allen bekannt, dass sich die Ecemis-Verwerfung nur ca. 25 km in Entfernung zum Atomkraftwerk Akkuyu befindet. Stur an solch einem gefährlichen Projekt festzuhalten, gefährdet die Zukunft der Türkei. Das Erdbeben in Japan und der darauf folgende Tsunami haben uns gezeigt, dass es dringend notwendig ist, die Nuklearkraft aus unserem Leben zu verbannen. Die Nuklearindustrie ist und wird niemals transparent sein. Ein Problem, welches im AKW in Akkuyu, das von den Russen errichtet werden soll, auftreten kann, könnte von der Öffentlichkeit geheim gehalten werden. Ein schlimmes Szenario könnte sein, dass es zu einer Kernschmelze und einer großen Katastrophe wie in Tschernobyl kommt. “  (das türkische Volk nimmt gerade nach Fukushima die Risiken sehr ernst – mehr hier)

Hier gibt es erste Ansichten des Akws in Akkuyu.

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