Lebensmittelpreise explodieren: Weltweite soziale Unruhen befürchtet

Die extrem hohen Preise für Nahrungsmittel könnten für eine neue Welle von Konflikten sorgen. Die Preisanstiege destabilisieren besonders ohnehin belastete Entwcklungsländer. Verursacht werden die Preisanstiege von Spekulanten, die die aktuelle Lage am Nahrungsmittelmarkt ausnutzen.

Die Preise für Lebensmittel sind in den vergangenen Wochen massiv gestiegen: Mais und Sojabohnen, die vor allem als Futtermittel eingesetzt werden, sind so teuer wie noch nie. Aber auch Weizen ist deutlich teurer als im Vorjahr. Mit den Preisen für Lebensmittel steigt auch die Gefahr sozialer Unruhen.

In der jüngeren Vergangenheit fielen Spitzenpreise bei Lebensmittel immer auch mit Aufständen und Konflikten zusammen. So fielen etwa die Revolutionen in Tunesien, Libyen und Ägypten in Zeiten besonders hoher Lebensmittelpreise. Aber auch in Europa sind solche Entwicklungen zu beobachten. Etwa in Griechenland, wo die tägliche Versorgung für manche Menschen durchaus zu einer Herausforderung geworden ist (mehr hier). Besonders in den Großstädten ist die Lage angespannt (mehr hier).

Trotz der schlimmsten Trockenheit in den USA seit einem Vierteljahrhundert, sind die Preisanstiege wohl eher auf Lebensmittelspekulationen zurückzuführen. Denn die weltweiten Getreide-Vorräte sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben oder sogar gestiegen. Das Ausmaß der Spekulationsgeschäfte an den US-Börsen hat sich hingegen von Juni auf Juli beinahe verdreifacht.

Die Liquidität, die Zentralbanken in die Märkte gepumpt haben, um die Auswirkungen der Krise zu kaschieren, haben ihren Teil zu den Spekulationen beigetragen. Die Finanzinstitutionen und Anleger suchen nach Möglichkeiten, das überflüssige Geld gewinnbringend zu investieren und haben so zu einer Blasenbildung am Rohstoffmarkt geführt.

Ein weiteres Problem ist die Abhängigkeit der Nahrungsmittelproduktion von gänzlich anderen Industrien. Der Einsatz von Kunstdünger, Pestiziden und speziellem Saatgut macht die globale Landwirtschaft zunehmend auch von Rohölprodukten abhängig (die Türkei hatte sich Anfang des Jahres mit belastetem Obst und Gemüse auseinanderzusetzen – mehr hier). Landwirte sind in steigendem Maße auf Großkonzernen angewiesen, die ihnen diese Produkte verkaufen. Die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten in westlichen Ländern trägt ebenso zu dieser Entwicklung bei.

Mehr zum Thema:

Greenpeace Umfrage: Genfood kommt für türkische Verbraucher nicht in Frage
Aprikosen aus Malatya: Sie sind die ersten zertifizierten Früchte der Türkei
Lebensmittel-Imitate: Türkische Verbraucher müssen bewusster einkaufen



Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.