Türkei und Israel: Verzweifelte Suche nach Weg zur Verbesserung der Beziehungen

Nachdem der tödliche Angriff Israels auf das nach Gaza befindliche türkische Hilfsgüterschiff Mavi Marmara die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel nachhaltig beschädigt hat, sucht vor allem Israel nach einer Möglichkeit, diese wieder zu normalisieren.

Israels Premier Netanyahu sprach davon, dass gute Beziehungen zur Türkei entscheidende Bedeutung auch über deren Ländergrenzen hinweg hätten, denn sowohl Israel als auch die Türkei seien „stabile und bedeutende Länder in einer instabilen Region“.

Während eines seiner seltenen Treffen mit einer Gruppe türkischer Journalisten in seinem Büro in Jerusalem am 23. Juli hatte Netanyahu gesagt: „Da ich an ein gemeinsames Interesse glaube, sollten sowohl Israel als auch die Türkei so viel tun wie sie können, um ihre Beziehung wieder zu erneuern. […] Wir möchten unsere Beziehungen wieder herstellen und beide Länder werden nach Möglichkeiten suchen, dies zu tun.“ (der türkische Premier Erdogan will derzeit nicht einmal israelische Touristen im Land – mehr hier)

Fronten seit der Attacke auf die Gaza-Flotille verhärtet

Bei der Attacke auf die Gaza-Flottille im Mai 2010 waren acht türkische sowie ein US-Bürger türkischer Herkunft getötet worden. Eine von der Türkei geforderte offizielle Entschuldigung von Seiten Israels und eine Entschädigung der Überfall-Opfer sind bislang ausgeblieben, was die Fronten weiter verhärtete.

Für beide Länder geht es um die Wahrung ihres Gesichts und die Verteidigung der nationalen Ehre, was es für die Diplomaten der ehemaligen Verbündeten nicht leichter macht, die Situation zu lösen und Normalität wieder herzustellen. Manche hoffen gar auf ein Wunder beziehungsweise die Entdeckung einer „magischen Formel“. Wie verzweifelt die Situation ist, zeigt entsprechend die Aussage eines hohen israelischen Beamten, der von türkischen Medien mit den Worten zitiert wird, es sei „noch nicht gelungen, diese (magische Formel) zu finden“. Jedoch sei man „offen für Anregungen von jedermann“.
Aber es herrscht nicht nur Kälte und Stillstand in den Beziehungen. Beide Länder haben auch während der Krise ihren Guten Willen zu einer Wiederannäherung gezeigt. So hatte etwa Ankara im Dezember 2010 Flugzeuge geschickt, um Israel im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände mit Löschflugzeugen zu unterstützen. Im Gegenzug lieferte Israel im Oktober 2011 humanitäre Hilfe für die Opfer des tödlichen Erdbebens im Osten der Türkei.

Trägt Chaos in Syrien zur Annäherung bei?

Auch die tragischen Ereignisse, die sich derzeit in Syrien abspielen, könnten laut Beobachtern zu einer Annäherung beitragen (die Türkei hat an diesem Mittwoch alle Grenzen zu Syrien geschlossen – mehr hier), da sowohl Israel als auch die Türkei das Vorgehen des syrischen Machthabers Assad gegen sein eigenes Volk scharf verurteilen und beide Länder ein ähnlich gelagertes Interesse an einer Stabilisierung der Region und an einer diesbezüglichen Zusammenarbeit mit den USA haben. Vor allem Israel hat Sorge, dass nach einem möglicherweise bevorstehenden Sturz von Assad chemische Waffen in die Hände der Hisbollah oder al-Qaida fallen könnten.

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