Entscheidung: Türkische Ärzte dürfen Patienten ablehnen

Ein Verwaltungsgericht in Istanbul hat nun entschieden, dass Ärzte das Recht haben ihre Patienten auszuwählen. Nicht-staatliche Gesundheitsorganisationen bezeichnen die Entscheidung als äußerst positiv.

Der Richterspruch geht auf den Fall der türkischen Hausärztin Alev Doğan zurück. Die Medizinerin behauptete, von ihrem Patienten Ahmet Yavaş angegriffen worden zu sein, worauf hin sie sich an das Istanbuler Gesundheitsdirektorat wandte und forderte, dass man diesen Patienten von ihrer Behandlungsliste streiche. Die Behörde lehnte das Gesuch allerdings ab und verwies Doğan an die Staatsanwaltschaft. Im Zuge dessen reichte die Istanbuler Ärztekammer Klage gegen das Direktorat beim zuständigen Verwaltungsgericht ein. Jetzt entschied das Gericht zu Gunsten der Ärztin und ordnete die Entfernung von Yavaş aus ihrer Patientenkartei an (Deutschland wird für ausländische Ärzte und Pfleger hingegen immer attraktiver – mehr hier).

Tolga Sucu, Vize-Präsident des türkischen Hausärzteverbands (AHEF), erklärte, dass die Mitglieder seiner Vereinigung vom soeben gefällten Urteil begeistert seien. „Schon des Öfteren haben wir unsere Meinung zu diesem Thema dem Gesundheitsministerium mitgeteilt. Patienten stellen teils unsinnige Forderungen an uns. Das Gerichtsurteil wird endlich den Weg zu einer gesetzlichen Regelung ebnen.

Arzt kann Behandlung aus persönlichen und beruflichen Gründen ablehnen

Sucu berichtet in diesem Zusammenhang auch von einigen Missbrauchsfällen durch Patienten. Diese „Hass-Patienten“ könnten nun getrost aus der ärztlichen Betreuung entlassen werden. Deren Versorgung wäre fortan durch soziale Gesundheitszentren an ihrem Wohnort gesichert. „Die Ärzte können sich nun weigern, Patienten auf Grund von beruflichen oder persönlichen Gründen zu untersuchen, und ihre Patienten fallenlassen ohne die medizinische Behandlung abzuschließen. In solchen Fällen allerdings müssen sie die Patienten rechtzeitig informieren, so dass eine weitere Behandlung hierdurch nicht beeinträchtigt wird“, heißt es dazu in der richterlichen Entscheidung.

Özdemir Aktan, Vorsitzender der türkischen Ärztevereinigung (TTB), herausstellt, sei an diesem Urteil nichts unethisches. „Das ist die Realität: In einem Notfall wird jeder Arzt jeden Patienten behandeln. Doch wenn es kein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gibt, wird eine Behandlung scheitern. Dann ist es besser eine neue Verbindung zu einem anderen Arzt aufzubauen“, so Aktan (im unterfränkischen Würzburg sollen Gesundheitsmediatoren helfen diese Bindungen zu stärken – mehr hier).

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