Geschundene Türkin: Kein Anwalt wollte ihr helfen

Erneut erschüttert das Schicksal einer jungen Türkin die Öffentlichkeit. Die Frau, die von ihrem Mann gezwungen wurde vom Balkon zu springen, gibt an, dass sie keinen Anwalt finden konnte, der ihr aus ihrer misslichen Lage helfen würde.

Die 29-jährige Fatma Şen, die während ihrer Ehe immer wieder unter den gewalttätigen Attacken ihres Ehemannes zu leiden hatte, wurde von diesem genötigt vom Balkon zu springen, nachdem sie den Wunsch geäußert hatte sich scheiden zu lassen. Die junge Frau überlebte den Sprung, lag aber darauf hin ganze drei Wochen im Krankenhaus: Ihre Wirbelsäule wurde verletzt, ihr Bein war gebrochen, die Ferse ihres rechten Fußes zerschmettert. Şen musste sich neun Operationen unterziehen.

Hätte dieses Leid verhindert werden können? Wenn es nach der jungen Frau geht, dann schon. Mehrere Male habe sie sich in der Vergangenheit bereits an verschiedene Organisationen gewandt, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen würden, darunter auch die İstanbuler Anwaltskammer. Einen Anwalt, der sie vertritt und sie aus ihrer Ehehölle befreit, fand sie dabei allerdings nicht. Die Bürokratie, so Şen, habe das verhindert (erst im März hat das türkische Parlament ein Gesetz zum Schutz der Frau verabschiedet – mehr hier).

Junge Frau konnte Bescheinigungen nicht beibringen

Laut einem Bericht der Tageszeitung „Radikal“ habe die İstanbuler Anwaltskammer eine Bescheinigung von ihr verlangt, in der ihre Armut und ihr Wohnsitz nachgewiesen würden, um einen entsprechenden Anwalt für sie zu ernennen. Doch diese Dokumente habe Şen leider nicht gehabt. Auch das Generaldirektorat für Frauen-Angelegenheiten (KSGM) des Ministeriums für Familie und Sozialpolitik habe schließlich einen persönlichen Antrag verlangt, damit sie einen Anwalt bekomme. Doch die junge Frau war auch dazu nicht mehr in der Lage – sie war im Krankenhaus (ein türkischer Ex-Polizist beschuldigte die Frauen vor einiger Zeit selbst Schuld an ihrem Leid zu haben – mehr hier).

Çiğdem Hacısoftaoğlu, ein Anwalt von Şiddete Son Platformu, einer Dachorganisation, bestehend aus mehreren Frauenrechtsgruppen, betonte gegenüber der Zeitung, dass Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, bedingungslos einen Anwalt oder juristische Hilfe gestellt bekommen sollten. Seine Organisation selbst versuche solche Fälle ehrenamtlich zu übernehmen. Leider seien es aber viel zu viele, sodass man nicht alle aufnehmen könne. Der Staat, so Hacısoftaoğlu weiter, sollte hier einschreiten und für diese Frauen Anwälte stellen – ohne irgendwelche Bedingungen zu stellen.

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