Ab August: Russland startet neuen islamischen TV Sender

Russland plant für seine muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ab August einen neuen muslimischen TV-Sender zu starten. Das Programm soll auf Russisch ausgestrahlt werden. Fokus der Berichterstattung sind islamische Themen, die die muslimische Bevölkerung in Russland betreffen.

Wie der stellvertretende Vorsitzende des russischen Religionsdirektorats für Muslime in den europäischen Regionen, Damir Mukhitdinov, gegenüber den russischen Medien bekannt gab, soll der neue TV-Sender den Namen Al-TV bekommen.

Schwerpunkt des ausgestrahlten Programms, so Mukhitdinov weiter, sollen islamische Themen sein, die sich mit den Muslimen in Russland auseinandersetzen. Verfasst werden die Berichte dabei in russischer Sprache. Ganz frei wird der Sender in der Wahl und Umsetzung seiner Themen allerdings nicht sein. Wie Radio Free Europe derzeit berichtet, werde ein öffentlicher Rat, bestehend aus führenden islamischen Klerikern, die dem Kreml nahe stehen, die Aktivitäten von Al-TV überwachen.

Attentat auf Mufti Ildus Faizov sorgt für Aufsehen

Die Pläne für einen neuen islamischen TV-Sender werden nur eine Woche nach dem verheerenden Bombenattentat auf Mufti Ildus Faizov in der überwiegend muslimisch geprägten Republik Tatarstan bekannt. Der Wagen des höchsten Geistlichen Tatarstans explodierte am Vormittag des 19. Juli in der Stadtmitte in Kazan. Die Autobombe verletzte den Geistlichen schwer. Sein ehemaliger Stellvertreter und enger Verbündeter Valiulla Yakupov wurde fast zeitgleich in der Nähe seines Hauses in Kazan erschossen. Er verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus (eine Extremisten-Checkliste in Niedersachens fördert derweil das Klima der Angst – mehr hier).

Besonders zynisch: Die beiden Taten wurden am Vortag des Beginns des heiligen Fastenmonats Ramadan begangen. Der stellvertretende Vorsitzende des Rates der Muftis Russlands Rushan Abbyasov, so berichtete „Die Stimme Russlands“ kurz nach dem Anschlag, sei sich sicher, dass Fayzov und Yakupov von Menschen attackiert wurden, die keinen Bezug zur Religion haben. „Ein Muslim kann so ein Verbrechen nicht begehen, falls er den Koran ehrt . Vielmehr ist die Rede von einem politischen Auftragsattentat, auserkoren die politische und wirtschaftliche Stabilität Tatarstans, einer der stabilsten Regionen Russlands ins Wanken zu bringen. Und dies durch Druck auf die religiösen Gefühle des Volkes“, zitiert das Medium Abbyasov.

Derzeit leben etwa 20 Millionen Muslime in Russland

Der Islam gehört auf dem Gebiet der heutigen Russischen Föderation zu den traditionellen Religionen. In Gebieten, wie etwa dem Nordkaukasus, findet er bereits seit mehr als 1300 Jahren Verbreitung. In Russland ist der Islam vor allem Religion zahlreicher ethnischer Minderheiten. Das politische und kulturelle Zentrum des Islams in Russland ist Kasan. Sie gilt neben Moskau als die heimliche „islamische Haupstadt“. Die Tataren gelten als das größte muslimische Volk in Russland mit rund sechs Millionen Angehörigen. Sie sind mit vier Prozent, nach den Russen mit 80 Prozent, auch das zweitgrößte Volk und zugleich auch die größte Minderheit des Vielvölkerstaates. Insgesamt sollen in Russland an die 20 Millionen Muslime leben – genaue Zahlen hierzu gibt es allerdings nicht. Die Mehrheit der Bevölkerung begegnet ihnen allerdings mit Ablehnung und die russische Regierung gar mit Unverständnis (in Deutschland hat die SPD-Politikerin Lale Akgün Moslemverbände angegriffen – mehr hier).

Hierzu erklärt der deutsch-französische Journalist Peter Scholl-Latour in einer Dokumenation:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=IL5QGLbqi3A

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