Kampf gegen das Leistungsbilanzdefizit: Türkei erhält Unterstützung aus den USA

Ein US-amerikanisches Unternehmen wird zwei Milliarden Dollar in der Türkei investieren. Damit leistet es einen wesentlichen Beitrag im Kampf des Landes mit seinem Leistungsbilanzdefizit. Das gab Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan an diesem Donnerstag bekannt.

Die Entscheidung über die derart hohe Investition gab Çağlayan nach einem Treffen mit Mike Nassar, Chairman und CEO der in Houston ansäßigen Energy Allied International, in Ankara bekannt. Wie der Minister gegenüber den anwesenden Reportern erläuterte, werde das Unternehmen im Zuge ihrer Investitionen eine Reihe von Chemikalien in der Türkei produzieren. Zwei der hergestellten Produkte hätten gar eine besondere Bedeutung für das Land, da man diese sonst teuer aus Übersee importieren müsse.

Die Herstellung dieser beiden Produkte – die sonst dazu beitragen würden, dass die Türkei ein Außenhandelsdefizit von 700.000 US-Dollar aufweise – würden nun ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen sein, das Leistungsbilanzdefizit der Türkei in den Griff zu bekommen. Nähere Angaben zu den beiden Stoffen oder zum Produktionsstandort machte der Minister darüber hinaus nicht (türkische Arbeitgeber gehören übrigens zu den optimistischsten der Welt – mehr hier).

Türkei fast vollständig von ausländischen Ressourcen abhängig

In den letzten Jahren ist das Außenhandelsdefizit der Türkei kontinuierlich gestiegen. Die Gründe dafür liegen im überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 5,4 Prozent pro Jahr zwischen 2002 und 2011. Aber auch in der fast vollständigen Abhängigkeit von ausländischen Ressourcen, wenn es um die Energiegewinnung geht. Im vergangenen Jahr überschritt das Defizit die Marke von 100 Milliarden US-Dollar oder 13 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Kampf um das türkische Leistungsbilanzdefizit hat bereits zu einem Ausbluten der heimischen Währungsreserven geführt (doch die Maßnahmen der Zentralbank griffen – mehr hier). Gelingt es der türkischen Regierung nicht das Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen, dann könnte dies irgendwann der tödliche Schlag gegen die eigene Zahlungsbilanz bedeuten.

Im vergangenen Jahr versuchte die türkische Zentralbank dem Problem mit einem ungewöhnlichen Mix aus niedrigeren Zinsen und höheren Pflichtrücklagen zu begegnen, um die Türkei so weniger attraktiv für leicht flüchtigen, kurzfristigen Zufluss von internationalem Kapital zu gestalten. Während man es den Einheimischen gleichzeitig schwerer machte an Kredite zu kommen. Gekoppelt waren diese Maßnahmen an eine Erhöhung der Steuern auf wesentliche Konsumgüter. Darunter zumeist importierte Produkte wie Autos und Handys.

Türkische Regierung schnürt Anreiz-Pakete für Investoren

Das strukturelle Problem liegt aber vor allem daran, dass die türkische Industrie in hohem Maße von ausländischen Vorleistungsprodukten abhängig ist, die dann wiederum zur Produktion von Endprodukten dienen, die ins Ausland exportiert werden. Um diesem Umstand beizukommen innitiierte die türkische Regierung erst vor kurzem ein entsprechendes Anreiz-Paket, das besondere Anreize für Investitionen in bestimmten, als strategisch wichtig definierten Bereichen bietet, etwa in der Automobil-, Chemie-, Textil- und Maschinenbau-Branche (es wurden zwei neue Industrieregionen ausgerufen, die insgesamt bis zu 60.000 Arbeitsplätze schaffen sollen – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Dickes Minusgeschäft: Verlust-Unternehmen unter den İSO 500 haben sich verdoppelt
Spanischer Recycling-Riese Befesa investiert 120 Millionen Dollar in der Türkei
Honda: Fokus der türkischen Produktion künftig auf Motorräder

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.