Türkischer Export: RoRo-Schiffe könnten die Alternative zum Transport durch Syrien sein

Seit vergangenen Mittwoch hat die Türkei seine Grenzen gen Syrien geschlossen. Bis auf wenige Ausnahmen für den Transitverkehr ist dort kein Durchkommen mehr. Exportgüter müssen nun eine andere Route nehmen - etwa über den Seeweg. Die Nachfrage nach so genannten RoRo-Schiffen könnte in nächster Zeit deutlich steigen.

Die Grenzen zu Syrien sind dicht: Greifen türkische Unternehmen jetzt verstärkt auf RoRo-Schiffe zurück? (Foto:  ykanazawa1999/flickr)

Die Grenzen zu Syrien sind dicht: Greifen türkische Unternehmen jetzt verstärkt auf RoRo-Schiffe zurück? (Foto: ykanazawa1999/flickr)

Infolge der türkischen Grenzschließungen gen Syrien könnte die Nachfrage nach RoRo-Schiffen, vor allem im südtürkischen Hafen von Mersin, steigen, vermutet Mehmet Büyükekşi, Präsident des Türkischen Exporteurverbands (TİM). Der Einsatz dieser Schiffe würde es der Türkei erlauben Syrien zu umgehen und ihre Produkte weiterhin in andere Länder der Region zu exportieren.

In den vergangenen Monaten ist das Handelsvolumen zwischen der Türkei und dem Bürgerkrieg geplagten Syrien von 2,3 Milliarden Dollar im Jahr 2011 auf  nur noch 302 Millionen Dollar von Januar bis Mai dieses Jahres geschrumpft. Ein Rückgang um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die jetzige Schließung der Grenzen zum Nachbarland habe jedoch auf den Export in andere Länder, so die Ansicht von Büyükeşi, keine Auswirkungen.

Türkischer Grenzposten Gürbulak völlig überlastet

„Der Rückgang des Handels mit Syrien ist kein neues Phänomen. Wir konzentrieren unsere Exporte auf andere Länder. Seitdem viele türkische Lkws angezündet wurden, bevorzugen es viele Unternehmen ihre Güter nicht mehr durch Syrien zu transportieren“, so Büyükeşi weiter. Und ihm scheint die Mersiner RoRo-Linie derzeit die einzige sinnvolle Alternative (viele Lkw-Fahrer berichteten, sie seien nur knapp mit dem Leben davon gekommen – mehr hier). Von Januar bis Mai 2012 fuhren gerade einmal 5,244 Lkws von der Türkei nach Syrien. Zum Vergleich: Von Januar bis Mai 2011 waren es noch 36,966.

Doch die Güter bahnen sich derweil auch andere Wege: Nicht erst seit der Schließung der Grenzübergänge zu Syrien erleben andere türkische Grenzposten einen regelrechten Aufschwung. Einer davon ist Gürbulak in der osttürkischen Provinz Ağrı. Hier wird nicht nur Fracht für den Iran abgefertigt, auch die Exporte nach Turkmenistan und Tadschikistan landen hier. Wie der dortige stellvertretende Bürgermeister Ercan Ateş gegenüber den türkischen Medien erklärt, habe der Handel in den Sommermonaten deutlich zugenommen. Immer wieder gibt es aber auch Berichte über eine deutliche Überlastung des Grenzübergangs (erst vor einigen Monaten sorgte ein großangelegter Steuerbetrug für einen Skandal – mehr hier).

RoRo-Verfahren einfach und flexibel anwendbar

Das RoRo-Verfahren (engl. Roll on Roll off) ist für bewegliche Transportgüter gedacht, die auf das Schiff gefahren werden, etwa via Lkw, Zug oder Pkw. Zum Be- und Entladen besitzen RoRo-Schiffe beeindruckende Bug-, Seiten- oder Heckluken, durch die die Fahrzeuge über Rampen an Bord fahren können. Die Vorteile für einen solchen Transport liegen auf der Hand: Die Umschlagszeiten sind kurz, der Ladungsumschlag erfolgt schonend, die Hafeninfrastruktur kann einfach gestrickt sein und die Ladungszusammensetzung flexibel gestaltet werden. Im Kurz- und Mittelstrecken-Seeverkehr spielen RoRo-Schiffe bereits eine bedeutende Rolle. So wird zum Beispiel ein Großteil des Lkw-Verkehrs zwischen Finnland und Westeuropa mittels dieser Schiffen abgewickelt. Es gibt jedoch auch transatlantische und weltumspannende RoRo-Liniendienste.

Der Anfang ist bereits gemacht: Erst im vergangenen April unterzeichneten der türkische Wirtschaftsminister Zafer Caglayan und der ägyptischen Verkehrsminister Galal Mostafa Said ein Übereinstimmungsprotokoll über RoRo-Transporte und den Straßengütertransport. Seither können türkische Lkws mit den Ro-Ro-Schiffen von Mersin aus in ägyptische Häfen wie Alexandria transportiert werden und von dort aus in andere Länder des afrikanischen Kontinents weiterfahren. Das erste Schiff verließ am 26. April den Hafen von Mersin.

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