Abenddämmerung im Ramadan: Fasten Türken 70 Minuten zu lang?

In der Türkei ist eine Debatte um die Fastendauer während des Tages entbrannt. Einige Geistliche sind der Ansicht, dass die Gläubigen auf Grund von Fehlkalkulationen 70 Minuten länger als nötig verzichten würden.

Die Diskussion zwischen religiösen Führern in der Türkei und religiösen Beobachtern dreht sich gerade einmal um etwas mehr als ein Stunde. Und sorgt dennoch für ordentlich Zündstoff. Auf der einen Seite steht die islamische Stiftung Süleymaniye Vakfı, die der Ansicht ist, dass türkische Gläubige 70 Minuten länger fasten als Muslime in anderen islamischen Ländern, weil das Amt für Religionsangelegenheiten einen falschen Wert in ihren Berechnungen für die Gebetszeiten benutze. Auf der anderen Seite steht eben jenes Amt für Religionsangelegenheiten, das diese Behauptung nun in einer schriftlichen Erklärung von sich weist. Darin heißt es: „Die türkischen Gläubigen mögen ihre Gebete in aller Seelenruhe zu den vom Amt für Religionsangelegenheiten veröffentlichten Zeiten verrichten.“

Die Türkei, so der Astronom Dr. Sacit Özdemir, sei das einzige Land, das diese religiöse Debatte auf einer wissenschaftlichen Grundlage führt. Er ist der Kopf des Teams, das mit dem türkischen Amt für Religionsangelegenheiten zusammenarbeitet. Özdemir und seine Kollegen führen im Auftrag des Amtes bereits seit September 2011 eine entsprechende Studie durch.

18 oder 19 Grad: Das ist der Streitpunkt

„Wenn die Sonne auf 18 Grad unter dem Horizont steht, dann ist es astronomisch betrachtet Dämmerung. In religiösen Kreisen wird auch eine Position um 19 Grad akzeptiert, aber das ist es, was die Wissenschaft sagt“, so Özdemir. In anderen islamischen Ländern, stellt der Wissenschaftler heraus, gäbe es überhaupt keine wissenschaftlichen Untersuchungen, um den korrekten Beginn und das Ende des Fastens während des Ramadans zu berechnen (das müssen Urlauber in dieser Zeit beachten – mehr hier).

Professor Abdülaziz Bayındır, Leiter der Süleymaniye-Stiftung, sieht das jedoch anders. Er beschuldigt das Amt für Religionsangelegenheiten die Muslime in der Türkei über die genauen Dämmerungszeiten in die Irre zu führen. Seiner Ansicht nach sei die offizielle Erklärung des Amtes ein regelrechtes Fiasko gewesen. Man habe sich darin auf ein wissenschaftliches Team berufen. Doch die Forscher an der Universität von Ankara seien seiner Ansicht überhaupt nicht qualifiziert, um über das Thema zu urteilen. Denn nach Bayındırs Ansicht sei das gar kein wissenschaftliches Thema.

Die astronomische Dämmerung ist als der Moment definiert, in dem der Himmel nicht mehr völlig dunkel ist. Formell betrachtet ist es die Zeit, in der die Sonne in einem Winkel von 18 Grad unter dem Horizont steht. Doch religiöse Fachleute berufen sich jedoch auf 19 Grad (das sind die attraktivsten Städte in dieser Zeit – mehr hier).

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