Sorge um Syriens Zukunft: Christen im Nahen Osten rufen zur Einigkeit auf

Eine Gruppe von syrischen, chaldäischen und assyrischen Intellektuellen hat eine Erklärung veröffentlich, in der sie die Christen auffordern, sich mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen in Syrien zu vereinen. Einige sind der Ansicht, dass sie sich in einer föderalen Struktur schützen müssten.

Die Menschen haben Angst: Was kommt nach einem Sturz Assads auf sie zu? (Foto:  FreedomHouse/flickr)

Die Menschen haben Angst: Was kommt nach einem Sturz Assads auf sie zu? (Foto: FreedomHouse/flickr)

Die Sorge der Verfasser der gemeinsamen Erklärung besteht darin, dass nach einem Sturz des syrischen Machthabers Bashar al Assad eine islamistische Regierung an die Macht kommen könnte. Das, so ihre Überzeugung, wäre eine Katastrophe für alle Christen in der gesamten Region. „Wir müssen uns umeinander kümmern und uns in einer autonomen Region beschützen. Es gibt ein tief empfundenes Bedürfnis nach einer föderalen Struktur“, so Adnan Challma, Politik-Analyst des in Brüssel ansässigen syrischen TV-Kanals Suryoyo, gegenüber der türkischen Zeitung Hürriyet.

Nach Ansicht der syrischen, chaldäischen und assyrischen Intellektuellen wären die christlichen Gemeinden in Anbetracht der jüngsten Entwicklungen in Syrien einer zunehmenden Bedrohung ausgesetzt. Ihre Erklärung haben sie am 25. Juli auf Türkisch, Syrisch, Englisch, Deutsch und Französisch herausgegeben. Unterzeichnet wurde sie von Intellektuellen aus der ganzen Welt. Die meisten stammen aus den USA, Schweden, Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und der Türkei.

Vorwurf an die Türkei: Islamistische Bewegung in Syrien unterstützt

In der Erklärung macht die Gruppe deutlich, dass sie das syrischen Baath-Regime nicht unterstützt, da es die syrischen, chaldäischen und assyrischen Gemeinden ihrer gesetzlichen Rechte beraube. Auf der anderen Seite hätte jedoch auch die Opposition, die zunächst einen demokratischen Anfang genommen habe, mit ausländischer Unterstützung mittlerweile eine islamistische Richtung eingeschlagen. Die Erklärung wirft darüber hinaus der Türkei, Katar und Saudi-Arabien vor der islamistischen Bewegung in Syrien “bewaffnete und finanzielle Unterstützung” gegeben zu haben (in der Türkei wurde ein evangelischer Pfarrer kurz vor dem Osterfest angegriffen – mehr hier).

Eine Regierung bestehend aus der Muslimbruderschaft, Islamisten, Al Qaida-Anhängern und Salafisten (einige Anhänger warnten kürzlich, dass Tomaten chrislich seien – mehr hier), das wäre eine Katastrophe für das Volk in Syrien und alle Christen im Nahen Osten. Massaker gegen ihr Volk seien während ihrer langen und tragischen Geschichte oft von Schreien wie „Allahu akbar“ und „Muhammad Salavat“ begleitet worden, so die Erklärung weiter.

Es sei an der Zeit Konflikte untereinander beizulegen und sich zu vereinen, so die abschließende Aufforderung: „Entschieden lehnen wir jegliche Initiativen ab, die eine bewaffnete Invasion von außen beabsichtigen oder so genannte Pufferzonen etablieren möchten. Wir treten für eine pluralistische, säkulare und demokratische Regierung in Syrien ein, welche auch die legitimen Rechte unseres Volkes respektiert.“

Hier die Erklärung auf Deutsch.

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