Versuchte Abtreibung im 5. Monat: Türkin in Istanbul verhaftet

Auf Grund eines anonymen Hinweises konnte am vergangenen Sonntag eine junge Frau verhaftet werden. Ihr Vergehen: Sie wollte ihre Schwangerschaft in einer Klinik im Istanbuler Distrikt Eyüp im fünften Monat abbrechen lassen.

Die Frau, die in der türkischen Presse nur S.E. genannt wird, stammt eigentlich aus der Ägäis-Stadt Izmir und war für den Abbruch eigens nach Istanbul gereist. Nach ihrer Festnahme durch die Polizei kam sie jedoch wieder auf freien Fuß. Gegenüber den Beamten gestand sie, eine Abtreibung trotz der fortgeschrittenen Schwangerschaft gewollt zu haben. Der Arzt, den sie dafür konsultiert hatte, bestreitet nun jedoch Gerüchte, dass er den Eingriff habe vornehmen wollen. Ein Verwandter, der die Frau nach Istanbul begleitet hatte, musste ebenfalls aussagen.

Seit 1983 ist in der Türkei eine Abtreibung bis zur zehnten Schwangerschaftswoche legal möglich. Wird diese Frist überschritten, droht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren (dies war Teil der Gesetzesnovellierung in diesem Sommer – mehr hier).

Seit Abtreibung in der Türkei legalisiert wurde, ist die Rate der Abbrüche kontinuierlich gesunken (zunächst gab es in diesem Jahr sogar Pläne, die Frist auf die vierte Schwangerschaftswoche herunterzusetzen, was einem defacto Abtreibungsverbot gleichgekommen wäre – mehr hier). Und dass, obwohl sich immer mehr Türkinnen und Türken dazu entscheiden, weniger Kinder zu bekommen. Mit 14.8 Abtreibungen pro 1000 Frauen lag die Türkei im Jahr 2008 noch immer weit hinter den Zahlen in Europa mit 28 bzw. 27 Abtreibungen pro 1000 Frauen.

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