Salamworld: Islamisches Facebook steht kurz vor dem Launch

Derzeit gibt es wohl kein Soziales Netzwerk, das der Erfindung von Mark Zuckerberg das Wasser reichen kann. Oder doch? Eine neue Plattform von Muslimen für Muslimen soll Facebook künftig Konkurrenz machen: Salamworld.

Ist der Hype der letzten Jahre nun vorbei? Wer Facebook derzeit etwas beobachtet, kommt zumindest ins Grübeln. Der Gang an die Börse war für das Zuckerbergsche Imperium alles andere als ein Erfolg. Immer wieder muss sich das Unternehmen vor allem in Europa mit datenschutzrechtlichen Fragen auseinandersetzen und zuletzt gingen sogar die Userzahlen etwas zurück. Allein seit vergangenen März, so berichtet derzeit die türkische Zeitung Zaman, seien es allein in der Türkei 400.000 Mitglieder weniger geworden (Xing hat sich bereits aus der Türkei zurückgezogen – mehr hier).

Salamworld nach muslimischen Werten gestaltet

Mit Salamworld soll nun nach dem Willen seiner Schöpfer eine Ausweichmöglichkeit geschaffen werden. Wie Yavuz Kurt, PR-Chef von Salamworld, erklärt, sei die Plattform nach grundlegenden muslimischen Werten gestaltet worden. Dass die Idee Potenital hat, davon ist er überzeugt: „Es gibt 250 Millionen muslimische Facebook-Nutzer, die diese Seite benutzen, weil es keine Halal-Alternative gibt. Wir wollen diese Alternative anbieten.“ Bei Salamworld ist man der Ansicht, dass das Facebook-System, welches den Einzelnen in den Mittelpunkt stellt und den ungehemmten Austausch von Bildern und persönlichen Informationen ermöglicht, für Muslime nicht gerade attraktiv sei. Auf der neuen Plattform sei das anders: Hier liege der Schwerpunkt nicht auf dem Individuum, sondern auf der Community, der die User beitreten und die über das jeweilige Profil deutlich angezeigt würden.

Keine Mädchen im Bikini oder Witze über Religion

Die so genannten Communities selbst sollen von Usern aufgebaut und moderiert werden. Erst innerhalb dieses Rahmens haben sie dann die Möglichkeit ihre Gedanken auszutauschen und Inhalte, wie etwa Urlaubsfotos etwa in der Gruppe „Reisen“ mit verschiedenen anderen zu teilen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass nur für eine Community relevante Informationen ausgetauscht werden. Der individuelle Aspekt trete so völlig in den Hintergrund. Darüber hinaus soll ein fünfstufiger Filter User vor „schädlichen Inhalten“ anderer führender Netzwerke schützen. Darunter fallen für die Ideengeber etwa auch Photos von Mädchen im Bikini oder Witze über Religion (erst im vergangenen März kamen Vorwürfe auf, Facebook zensiere anti-türkische Inhalte – mehr hier).

Die Testphase von Salamworld, das auch in türkischer Sprache verfügbar ist, begann bereits vor einigen Tagen. Ziel ist der Launch in 17 Ländern bis zum kommenden Oktober. Ob es jedoch tatsächlich ein kommerzieller Erfolg werden kann, sei dahin gestellt. Bereits in der Vergangenheit waren Plattformen, die auf religiösen bzw. moralischen Werten aufgebaut waren, zum Scheitern verurteilt. Man denke nur einmal an das 2007 in Texas gegründete Godtube. Nach anfänglichen Erfolgen verlor die Seite bis 2009 fast 75 Prozent ihrer User. Noch heute ist die Seite aktiv. Erfolg sieht allerdings anders aus.

Salamworld könnte ein ähnliches Schicksal drohen. Zwar steht die Finanzierung für die nächsten drei Jahre. Falls man jedoch das ehrgeizige Ziel von 150 Millionen Usern in den ersten fünf Jahren nicht erreicht, müssen die Ideengeber wohl oder übel den Haupt-Anziehungspunkt für ihre Plattform überdenken.

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