Kinder nehmen Stein mit: Schweizer Top-Polizist in der Türkei verhaftet

Weil sein Kind einen Stein als Urlaubssouvenir aus der Türkei mitbringen wollte, machte der Walliser Polizeikommandant Christian Varone nun eine unschöne Erfahrung mit der hiesigen Polizei. Er wurde auf der Heimreise von Beamten festgenommen. Der Grund: Die kleine Erinnerung stammt von einem archäologischen Gelände. Jetzt sitzt er Untersuchungshaft. Die könnte sich über Monate hinziehen.

Touristen, die in der Türkei auf archäologischen Spuren wandeln möchten, sollten Vorsicht walten lassen. (Foto:  v230gh/flickr)

Touristen, die in der Türkei auf archäologischen Spuren wandeln möchten, sollten Vorsicht walten lassen. (Foto: v230gh/flickr)

Für Christian Varone und seine Familie haben die unbeschwerten Urlaubstage in der türkischen Touristenhochburg Antalya ein unschönes Ende genommen. Bei der Erkundung der Region auf einem öffentlichen Weg, so heißt es derzeit in den schweizer Medien, seien die Urlauber an einer archäologischen Fundstätte vorbeigekommen. Dort sei eines der Kinder dann auf einen Kieselstein aufmerksam geworden. Dieser habe ihm gefallen und ihn achtlos eingesteckt (die Burg von Alanya hat derzeit beste Chancen UNESCO-Weltkulturerbe zu werden – mehr hier).

Die böse Überraschung folgte dann kurz vor dem Rückflug in die Schweiz am vergangenen Freitag. Bei der Kontrolle von Varones Reisetasche am Flughafen wurde das vermeintlich unauffällige Urlaubsmitbringsel zu Tage gefördert. Während Frau und Kinder darauf hin in die Heimat zurückkehren konnten, kam es jedoch für den Vater dick. Er übernahm die volle Verantwortung und wurde darauf hin von der türkischen Polizei festgenommen. Das bestätigte mittlerweile auch die Staatratspräsidentin Esther Waeber-Kalbermatten.

Verhaftung stößt in der Schweiz auf Unverständnis

Während der Bruder des Schweizer Top-Polizisten, Patrick Varone, und dessen Gattin sich aktuell wieder in der Türkei aufhalten, um sich ein besseres Bild über die aktuelle Lage zu verschaffen und den Verhafteten gemeinsam mit der Schweizer Botschaft in Ankara zu unterstützten, wird die Maßnahme in der Heimat mit Unverständnis aufgenommen. Wie Jean-Marie Bornet, Sprecher der Walliser Kantonspolizei gegenüber Reportern erklärte, herrsche hier absolute „Verblüffung“ über den Vorfall. Eine Verhaftung wegen eines Steins sei in der Schweiz jedenfalls schwer zu verstehen. Aus Politkreisen wird der Fall derzeit so kommentiert: „Wenn wir jeden Touristen verhaften wollten, der einen Bergkristall als Souvenir mitnimmt, obwohl er kein Strahlerpatent erworben hat, dann wären wir wohl nicht ganz bei Trost.“ (Im Distrikt Yatağan in der Provinz Muğla werden derzeit historische Stätten restauriert – mehr hier) Bisher, so teilen die Schweizer Medien an diesem Dienstag mit, habe Varones Familie noch keinen Kontakt zu dem 49-jährigen Juristen aufnehmen können.

Die türkischen Zollbeamten hatten den Kieselstein allem Anschein nach auf Grundlage eines Gesetzes aus dem Jahr 1983 als Bestandteil des „kulturellen und natürlichen Erbes der Türkei“ identifiziert (Kanun No: 2863). Demgemäß macht sich ein Tourist strafbar, der gekaufte oder gefundene Gegenstände mitnehmen will, die zum „nationalen kulturellen und natürlichen Erbe“ des Landes gehören könnten. Derzeit wird spekuliert, dass man dem Familienvater deshalb nun Antiquitätenschmuggel vorwerfe und ihn unter Umständen für Wochen, wenn nicht gar Monate in türkischer Untersuchungshaft festhalten könnte.

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