Voreingenommene Medien: Beiträge lösen anti-islamische Attacken in Europa aus

Eine Studie der Mid Sweden University (Mittuniversitetet) hat ergeben, dass ein direkter Zusammenhang zwischen negativer Berichterstattung in den Medien und Angriffen auf muslimische Communities in Europa besteht. Auslöser waren zum einen lokale Ereignisse wie der Bau einer Moschee oder ein Terroranschlag wie etwa in London oder Madrid.

Die Studie, die derzeit von der türkischen Presse aufgegriffen wird, zeigt auf, dass eine gegenüber muslimischen Communitys negative und voreingenommene Berichterstattung zu einem Anstieg von Hass-Attacken gegen Muslime in Europa geführt habe. Auf Grund der Tatsache, dass es eine positive Korrelation zwischen negativen Medienberichten und Angriffen auf islamische Organisationen in europäischen Ländern gebe, geht die Untersuchung zudem davon aus, dass etwa vier von zehn islamischen Organisationen in Europa bereits anti-islamischen Attacken ausgesetzt gewesen waren.

An der Studie unter der Leitung von Professor Klas Borell beteiligten sich Vertreter von mehr als 100 islamischen Organisationen in ganz Schweden. Im Gespräch mit der türkischen Zeitung Zaman stellt Borell heraus, dass die negative Berichterstattung über Muslime einen direkten Faktor für die Angriffe gegen Muslime darstellten. „Sobald anti-muslimischen Nachrichten in den Medien auf dem Vormarsch sind, ist auch eine Erhöhung der Anzahl der Angriffe gegen islamische Institutionen und Organisationen zu beobachten. Daher können wir sagen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Berichten und der erhöhten Anzahl von anti-islamischen Angriffen gibt. Diese negative Berichterstattung in den Medien hat vor allem Angriffe von rechtsradikalen anti-islamischen Organisationen ausgelöst“, so Borell.

Der Soziologe Borell führt bereits seit vielen Jahren Studien über die muslimische Gemeinschaft in Schweden durch. Das Spektrum an anti-islamischen Attacken, das islamische Einrichtungen oder Organisationen erdulden müssen, reicht seinen Beschreibungen zufolge von Drohungen bis hin zu körperlicher Gewalt.

Lokale mediale Aufmerksamkeit und Ereignisse mit internationaler Reichweite ausschlaggebend

Wie der Wissenschaftler jedoch weiter ausführt, spielten sich hier die Medien und Ereignisse von verheerendem Ausmaß in die Hand. Ihren Beitrag zur Situation würden demnach auch die zunehmenden Terrorattacken in den verschiedenen europäischen Ländern leisten. In diesem Zusammenhang verweist er etwa auf die Anschläge von Madrid im Jahr 2004 oder aber London im Jahr darauf. Auch diese Ereignisse hätten also zu einem Anstieg von Übergriffen auf islamische Organisationen in Schweden geführt.

Die Studie arbeitet außerdem heraus, dass es eine positive Korrelation zwischen der Sichtbarkeit von Muslimen in der Öffentlichkeit und der Zahl der Angriffe gegen Muslime innerhalb der muslimischen Gemeinschaft in Europa. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern sei jedoch die Integration von islamischen Institutionen und Organisationen in das öffentliche Leben in Schweden stärker ausgeprägt. „Schwedische Muslime sind gut in die Gesellschaft integriert. Sie haben gute Beziehungen zu den staatlichen und politischen Institutionen“, so Borell. Allerdings muss auch er einräumen, dass es, im Zuge öffentlicher Diskussionen, wenn es zum Beispiel um die Errichtung einer Moschee, eines Gebetsraums oder religiöser Bildungszentren geht, ebenfalls vermehrt zu Übergriffen komme, wenn diese in den Medien aufgegriffen würden.

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