Erdoğan: Merkel und Sarkozy haben EU-Prozess „erbarmungslos sabotiert“

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan erklärte, die EU zwinge die Türkei dazu, sich nach Alternativen umzusehen. Vor allem der ehemalige französische Präsident Sarkozy sowie Angela Merkel seien „erbarmungslos“ gegen die Türkei vorgegangen.

„Während wir in der Türkei dafür gearbeitet haben – ich nenne hier ausdrücklich Namen – sind der französische Präsident Sarkozy und Merkel aus Deutschland die beiden, die den Prozess sabotiert haben und das auf erbarmungslose Art und Weise“, erklärte Erdogan in einem Fernsehtinterview. Nachdem Sarkozy und Merkel ihre Ämter aufgenommen hätten, habe sich die Situation der Türkei als Beitrittskandidat massiv verschlechtert. Noch vor der Türkei seien einige andere Länder aufgenommen worden, während man die Türkei „vor der verschlossenen Tür“ habe stehen lassen.

Er erinnerte bei seinem Gespräch mit dem Sender Kanal 24 an das eigens für EU-Fragen eingerichtete EU-Ministerium. An diesem sei zu erkennen, dass die Türkei nach wie vor einen Beitritt anstrebe. Die Haltung der EU zwinge die Türkei allerdings, sich nach Alternativen umzusehen. So habe er Putin bei einem Besuch in Russland scherzhaft erklärt, er werde die EU vergessen, wenn die Türkei in die „Shanghai-Fünfergruppe“, die aus Russland, China, Kasachstan, Tadschikistan und Kirgisien besteht, aufgenommen werde.

EU-Minister Egemen Bağış sagte zu den Äußerungen des Ministerpräsienten, dass ein Land, das so stark und dynamisch sei und das die EU so lange hat warten lassen, natürlich auch einen „Plan B, C, D“ habe. Die EU-Mitglieder müssten sich bewusst sein, dass die Türkei sich neu orientieren könne. Die meisten Türken sind ohnehin nicht mehr an einem Beitritt interessiert, da sie sich in ihrem eigenen Land mehr Chancen ausrechnen (mehr hier). An der Visa-Freiheit innerhalt der EU hält die Türkei allerdings fest (hier). Davon würden vor allem Geschäftsleute profitieren. Dass es zu Einwandererströmen kommt, glaubt Bağış nicht, dazu sei die Lage der EU aufrgund der Krise viel zu schlecht.

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