„Ausländer raus!“: Brandanschlag auf Migrantenfamilie in Bremen

Eine Familie mit Migrationshintergrund in Bremen wurde am Wochenende in Angst und Schrecken versetzt. Nachbarn versuchten offenbar einen Brandanschlag zu verüben. Die Familie fühlt sich von den Behörden allein gelassen.

Am vergangenen Samstag wurde auf das Haus einer Migrantenfamilie ein Brandanschlag verübt, Fenster wurden eingeschlagen und die offenbar betrunkenen Täter riefen dabei Berichten zufolge „Ausländer raus!“. Drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 25 und 43 Jahren seien festgenommen worden, wie die Polizei Bremen mitteilte.

Nach Angaben der Polizei Bremen sei der Sohn Fatih Ç. gegen kurz vor halb vier von einer Feier zurückgekommen, als er vom Nachbarsbalkon aus als „dreckiges Ausländerschwein“ beschimpft worden sei und sich Parolen wie „Ausländer raus!“ anhören musste. Kurz nachdem der 20-Jährige zu Hause angekommen sei, habe die Tür geklingelt. Anschließend habe er einen brennenden Lappen vor der Haustür entdeckt. Etwas später habe er gehört, wie auf die Eingangstür eingeschlagen worden ist, wobei die Tür eingeschlagen wurde.

Die Nachbarn wurden als mutmaßliche Täter festgenommen, befragt und wieder freigelassen. Sie seien bisher nicht durch ausländerfeindliche Straftaten auffällig geworden, so die Polizei. Die türkische Familie, auf die der Anschlag verübt wurde, berichtet allerdings von vorangegangenen verbalen Belästigungen. Die 56-jährige Mutter Nuriye Ç. sagte, die mutmaßlichen Täter hätten die Familie schon öfter mit derartigen ausländerfeindlichen Parolen beschimpft, bevor es zu der Tat kam. Sie habe Angst um ihr eigenes und um das Leben ihrer Kinder gehabt und gedacht, sie müsse nun „verbrennen und sterben“.

Der ältere Sohn der Familie, Abdülkadir Ç., berichtete der türkischen Zeitung Hürriyet: „Ich lebe in einer anderen Wohnung, Als ich von dem Vorfall hörte, bin ich schnell zu meiner Familie gerannt. Wenn meiner Familie etwas zugestoßen wäre, wen hätte ich dafür verantwortlich machen sollen? Die Täter wurden freigelassen. Wie sollen wir denn nun nachts schlafen? Von der deutschen Rechtsprechung erwarten wir, dass dieser Vorfall nicht auf die leichte Schulter genommen wird.“

Die Familie fühlt sich von den deutschen Behörden nicht ernst genommen. Die Polizei habe versucht den rassistischen Hintergrund der Straftat zu verdecken und wolle sie deshalb als Nachbarschaftsstreitigkeit darstellen. Weil sie dies nicht zulassen wollen, so Nuriye Ç., habe sich die Familie nun einen Anwalt genommen. Im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten sagte der Sprecher der Polizei Bremen jedoch, sie würden in alle Richtungen ermitteln, auch in Richtung eventueller Nachbarschaftsstreitigkeiten.

Eine mögliche rassistische Motivation schließe die Polizei nicht aus, weshalb sie auch die Dienststelle für Staatsschutz eingeschaltet habe, gerade um hinsichtlich der politischen Motive zu ermitteln.

Nach Angaben der örtlichen Tageszeitung Weser Kurier, ist der Vorfall erst nach dem Anruf des Familienanwalts bei der Zeitung bekannt geworden. Die Polizei hatte erst nach ersten Medienberichten eine Mitteilung veröffentlicht. Das sei allerdings „ganz einfach zu erklären“, so der Sprecher. Man habe den Bericht erst am Sonntagmorgen im Polizeiticker veröffentlicht, weil die Polizei zunächst alle Fakten habe zusammentragen wollen. Die Pressemeldung habe erst auf „fundiertem Wissensstand“ basieren sollen.

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