Verhaftung wegen eines Steins: Schweizer Top-Polizist wieder auf freiem Fuß

Aufatmen beim Walliser Polizeikommandant Christian Varone und seinen Angehörigen. Nur wenige Tage, nachdem er wegen eines steinernen Urlaubsmitbringsels an einem türkischen Flughaften verhaftet wurde, ist der Schweizer nun aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Ausgestanden ist der Fall allerdings nicht. Es soll Anklage erhoben werden.

Weil eines seiner Kinder einen Stein aus einer archäologischen Stätte in der Türkei mit nach Hause nehmen wollte, ging es für Christian Varone am vergangenen Freitag nicht von Antalya zurück in die Schweizer Heimat, sondern direkt in türkische Untersuchungshaft. Wochen, wenn nicht Monate, so die Spekulationen der letzten Tage, könnte sich das Ganze hinziehen. Immerhin stand zu befürchten, dass die türkische Justiz den Schweizer auf Grund des Artikels Kanun No: 2863 über das „kulturelle und natürliche Erbe der Türkei“ zur Verantwortung ziehen und ihn deshalb des Antiquitätenschmuggels bezichtigen würde.

Jetzt die Erleichterung: Wie die Schweizer Medien aktuell melden, könne ihr Top-Polizist wieder in die Schweiz zurückkehren. Allerdings, so heißt es, müsse er sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Antalya in der Tat einer Anklage wegen Verdachts auf versuchten Diebstahl von türkischen Kulturgütern stellen. Denn das im Gepäck entdeckte Stück wurde von den Zöllnern als „wertvolles Steinstück“ eingestuft (gleich zwei Mal wurde die Türkei in Lissabon mit einem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe/Europa Nostra Awards ausgezeichnet – mehr hier).

Steinstück möglicherweise Teil einer Marmorstatue

Mittlerweile werden auch nähere Details zum Mitbringsel bekannt, die den Grund für die rigide Reaktion der Zollbeamten erklären: „Wie aus türkischen Quellen im Umfeld der Museumsbehörden von Antalya verlautet, soll es sich beim Gegenstand, den die Familie Varone mit sich führte, nicht um einen kleineren Kieselstein gehandelt haben, sondern um ein Stück Marmor. Dieses Stück sei möglicherweise Bestandteil einer Statue; darum hätten die Zollbehörden derart scharf reagiert“, informiert die NZZ.

In allen Hotels in der Türkei, zitiert das Blatt die türkischen Museumsbehörden weiter, fänden sich eindringliche Warnungen in allen gängigen Sprachen, dass man auf keinen Fall Gegenstände kaufen oder mitnehmen solle, die von archäologischer Bedeutung sein könnten. Es komme immer wieder vor, dass örtliche Sammler, die nicht selten Fundstätten illegal plündern, Touristen solche Objekte zum Kauf anbieten würden (die Burg von Alanya hat derzeit beste Chancen UNESCO-Weltkulturerbe zu werden – mehr hier).

Varone reist noch an diesem Mittwoch in die Schweiz

Vorerst kann der gelernte Jurist das aber hinter sich lassen. Noch an diesem Mittwoch soll Varone die Türkei verlassen. In der Schweiz herrscht derweil Erleichterung darüber, dass der Walliser Polizeikommandant so schnell wieder auf freien Fuß gekommen ist. Sein Posten, so Staatsratspräsidentin und Sicherheitsdirektorin Esther Waeber-Kalbermatten, stünde nicht in Frage, da es sich bei diesem Vorfall um eine private Angelegenheit handle.Wann es in der Türkei zur Verhandlung kommt, ist bisher nicht bekannt.

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