US-Bericht über Religionsfreiheit: US-Amerikaner kritisieren die Türkei

Die USA übt in ihrem jährlichen Bericht zur Religionsfreiheit harte Kritik an der Türkei. Noch immer komme es zu starken Einschränkungen. Zu den in der Türkei problematischen Themen gehöre beispielsweise die noch nicht erfolgte Wiedereröffnung des griechisch-orthodoxen Priesterseminars Halki, das Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst, die fehlende Möglichkeit der Wehrdienstverweigerung, die obligatorische religiöse Erziehung sowie die Hindernisse, denen Aleviten in der Türkei in ihrer Religionsausübung ausgesetzt seien.

„Es bestehen Berichte von gesellschaftlicher Diskriminierung aufgrund von Religionszugehörigkeit, Glauben oder Ausübung“, heißt es in dem US-Dokument. „Drohungen gegenüber Nicht-Muslimen“ seien Grund für eine „Atmosphäre der Unterdrückung und eingeschränkter Freiheit für nicht-muslimische Gemeinden“, so die Einschätzung des US-Außenministeriums.

Viele Christen, Baha, Juden sowie Aleviten seien gesellschaftlichem Misstrauen und Verdächtigungen ausgesetzt. Es sei weiterhin eine „antisemitische Stimmung“ wahrzunehmen. Das Kopftuchverbot, ebenfalls weiterhin eine starke Einschränkung der Religionsfreiheit, für Lehrer sowie Beamte werde weiterhin durchgesetzt, obwohl es an einigen Arbeitsstellen ignoriert werde (auch in den USA kommt es immer wieder zu ähnlichen Diskriminierungen – mehr hier).

Zudem sei es nach 40 Jahren an der Zeit, das Priesterseminar Halki wiederzueröffnen. Die Regierung hatte zwar vor einigen Monaten erklärt, dass dem nichts im Wege stehe und eine Wiedereröffnung die Kultur der Türkei bereichern würde. Bisher ist es allerdings noch nicht zu der gewünschten Entwicklung gekommen.

USA loben: Gottesdienst in ehemaligen Museen wieder möglich

Der Bericht ging allerdings auch auf postive Entwicklungen in der Türkei ein (ein Bericht von Amnesty International zeigt, wie es um die Religionsfreiheit in Europa steht – mehr hier). So habe es die Regierung möglich gemacht, in bisher als Museum dienenden Gotteshäusern wieder Gottesdienste anzubieten. Das war der Fall im Kloster von Sumela in der Nähe von Trabzon, der Akadamar Kirche bei Van, der St. Peters Kirche in Atakya, der St. Nicholas Kirche bei Demre sowie deem haus der Jungfrau Maria in der Nähe von Selçuk (die USA forderten wiederholt die Rückgabe von türkischen Kirchen – mehr hier).

Die Ungleichbehandlung von Absolventen der religiösen Imam Hatip Schulen wurden ebenfalls aufgehoben. Ihnen wurden bisher bei den Aufnahmeprüfungen an Universitäten automatisch eine bestimmte Anzahl von Punkten abgezogen, wenn sie sich für Fächer außerhalb der Theologie bewerben wollten.

Die fehlende Möglichkeit den Wehrdienst aufgrund von Gewissensgründne zu verweigern stelle ein großes Problem dar. Die derzeitige Regierung hatte das zwar ermöglichen wollen, doch ist die Wehrdienstverweigerung in der Türkei ein umstrittenes Thema. Das Militär hat in der Türkei einen viel höheren Stellenwert als beispielsweise in Deutschland.

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